Buchveröffentlichung : "Keine Abrechnung" - Fischer präsentiert Memoiren

In Berlin hat Joschka Fischer den ersten Teil seiner Erinnerungen an die Zeit in der rot-grünen Regierung vorgestellt. Eine Abrechnung mit den Grünen soll das Buch allerdings nicht sein. Außerdem schloß Fischer eine Rückkehr in die Politik aus.

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Immer noch ein "politischer Mensch": Joschka Fischer bleibt nach eigenen Aussagen "ein Grüner". In die aktuelle Politik will er...Foto: dpa

BerlinSeinen ersten Amtseid als hessischer Umweltminister legte Joschka Fischer 1985 in Jeans und Turnschuhen ab. Später präsentierte er sich sieben Jahre lang als Außenminister bevorzugt im vornehmen Dreireiher. Zwei Jahre nach seinem Abschied aus der aktiven Politik, zeigt er sich in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zur Vorstellung seines neuen Buches im dunklen Anzug, aber mit offenem Kragen statt Krawatte. Das ist hinreichend bürgerlich-seriös für einen ehemaligen Vizekanzler und lässt doch seine Rolle als Privatier erkennen, der weder das Lebensgefühl einer Generation noch die Würde eines Staatsamtes repräsentieren muss.

An diesem Tag kommt der erste Band seiner Erinnerungen an die rot-grünen Regierungsjahre mit einer Startauflage von 150.000 Exemplaren in den Handel. Knapp 450 Seiten stark ist Fischers Rückblick auf die Zeit vom Regierungswechsel 1998 bis zum Terrorangriff vom 11. September 2001 geworden. Fischer versichert, das Buch "vom ersten bis zum letzten Anschlag" selbst geschrieben zu haben.

"Zeitaufwand gnadenlos unterschätzt"

Dass das Werk nicht wie geplant schon Anfang des Jahres fertig war, lag dem Autor zufolge daran, dass er "die Fülle des Materials und auch den Zeitaufwand gnadenlos unterschätzt" hatte. Das Schreiben selbst sei hingegen kein Problem gewesen: "Das Schreiben hat mir sehr großen Spaß gemacht, und ich freue mich schon auf den zweiten Band, mit dem ich unmittelbar beginnen werde".

Darüber dürfte sich so mancher Leser freuen - immerhin bescheinigt etwa "die tageszeitung" dem ersten Teil der Fischer-Erinnerungen, sie seien "verglichen mit der Verlautbarungsprosa der Memoiren von Kohl und Schröder geradezu ein Feuerwerk an Eloquenz und Lebendigkeit". Das wird dem einstigen Ober-Grünen besser gefallen haben als der seinem Buch gewidmete "taz"-Titel "Fischers Abrechnung".

Gemeint ist Abrechnung mit den Grünen, und das will Fischer so nicht stehen lassen: "Also, unter Abrechnung verstehe ich 'was ganz anderes", sagt er und bekräftigt, "keine Abrechnung" im Sinn gehabt zu haben. "Selbstverständlich" habe er seine "subjektive Sicht der Dinge" dargelegt, aber mit dem "Anspruch, doch möglichst objektiv zu berichten".

Fischer will nicht zurück in die Politik

Überhaupt vermeidet Fischer bei seinem Auftritt harte Worte über die Grünen, etwa wegen deren Göttinger Beschluss gegen den "Tornado"-Einsatz in Afghanistan. Zwar müsse dort seiner Meinung nach "mehr getan" werden, doch habe dies nichts mit Kritik an der Partei zu tun, die über "ihren Weg selber entscheiden muss", sagt er lediglich. Auch Spekulationen über eine Rückkehr in die aktive Politik weist er vorsorglich zurück: "Es ist mein voller Ernst, dass ich sage: Die Tür ist zu - und sie bleibt auch zu".

Zwar werde er auch künftig mit seiner Meinung "nicht hinterm Berg halten", aber sich doch "zurückhalten, was die aktuelle Politik betrifft", versichert er und verweist darauf, dass nun die neue Führung der Grünen zu entscheiden habe. Klar sei aber auch, dass er nicht in den Trappisten-Orden mit seinem Schweigegelübde eingetreten sei. Er bleibe "ein politischer Mensch - und selbstverständlich auch ein Grüner".

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer wertete Fischers Ankündigung, sich zu Wort zu melden, als "Selbstverständlichkeit". "Die Partei wird ernst nehmen, was er sagt." Es gehe Fischer nicht darum, die Grünen "schlecht zu reden". Der Parteivorsitzende der Linken, Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine, warf seinem früheren Regierungspartner in der "Leipziger Volkszeitung" als "schweren historischen Fehler" vor, dass sich Deutschland "an völkerrechtswidrigen Kriegen" beteiligt habe. In seinem Buch beschreibt Fischer ausführlich sein Eintreten für den deutschen Militäreinsatz im Kosovo mit der NATO, aber ohne UN-Mandat.  (mit ddp, dpa)

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