Politik : Budapest spielt Roma-Rettung herunter Regierung sieht keine Bedrohung durch Rechte

Budapest/Berlin - Die angebliche Rettung von knapp 300 Roma vor rechtsradikalen Umtrieben in Ungarn hat am Wochenende für Verwirrung gesorgt. Vertreter der Minderheit erklärten, das Rote Kreuz habe sie am Freitag aus dem zentralungarischen Dorf Gyöngyöspata in Sicherheit gebracht. Sie hätten sich an die Organisation aus Angst vor einem von der rechtsradikalen Gruppe Vederö geplanten paramilitärischen Trainingslager gewandt, sagten sie ungarischen Medien. Ungarns Regierungssprecher Peter Szijjarto bestritt diese Angaben und erklärte, die Evakuierungsaktion des Roten Kreuzes sei nicht aufgrund einer „Notsituation“ durchgeführt worden. Es handle sich vielmehr um einen länger geplanten „Ausflug“ über das Osterwochenende. Erik Selymes, geschäftsführender Direktor des Ungarischen Roten Kreuzes, bestätigte diese Darstellung auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Unterdessen ging die Polizei gegen das Trainingslager vor und nahm acht von 20 Teilnehmern wegen „Rowdytums“ fest, wie Innenminister Sandor Pinter erklärte. Er war nach Gyöngyöspata gereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Vederö-Vertreter erklärten, die Polizei missachte die Tatsache, dass das Trainingslager auf einem Privatgrundstück stattfinde. Pinter hatte schon am Donnerstag mehr Befugnisse für die Polizei angekündigt, um die Aktivitäten extremistischer Bürgerwehren zu verhindern.

Der Grünen-Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht kritisierte dagegen die Haltung der ungarischen Regierung zu den Bürgerwehren. Die Regierung in Budapest lege grundsätzlich eine zu große Zurückhaltung gegenüber den Bürgerwehren an den Tag, sagte Albrecht dem Tagesspiegel am Sonntag. Zudem sei auch bereits vor dem Vorfall in Gyöngyöspata zu beobachten gewesen, dass die ungarische Polizei in ähnlichen Situationen nur selten deeskalierend vorgehe und angesichts des Treibens der Bürgerwehren zu wenig unternehme, um die Rechte der Roma zu schützen. „Das ist eine Vorstufe zu einem Pogrom“, sagte der Grünen-Politiker.

In Rom besetzten unterdessen rund 150 Roma, unter ihnen 40 Kinder, am Karfreitag die römische Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Sie protestierten damit gegen die Zwangsräumung ihrer Behausungen in Casal Bruciato im Nordwesten Roms. Nach ergebnislosen Verhandlungen mit der römischen Stadtverwaltung gewährte ihnen der Vatikan als Besitzer der Basilika Übernachtungsasyl in einem Raum außerhalb des Kirchenschiffs. Die Räumung illegaler Lager war in den vergangenen Tagen von einer Auseinandersetzung zwischen Roms Bürgermeister Gianni Alemanno und der katholischen Basisgemeinde Sant’Egidio begleitet, die den Umgang mit Wohnsitzlosen in der Hauptstadt als konzeptlos und unmenschlich kritisiert. dpa/KNA/ame

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