Politik : Buddha ist überall

Mönche, Klöster und Buddha sind in Birma allgegenwärtig – und essenzieller Bestandteil des Alltags. Selbst in den verlassensten Gegenden des Landes gibt es Klöster und sogar golden verzierte Stupas. 90 Prozent der Birmanen sind Buddhisten. Mönche sind hoch angesehene Leute und werden verehrt, auch wenn viele von ihnen nicht ein ganzes Leben lang, sondern nur für einige Zeit in diese Rolle und das rostbraune Gewand schlüpfen. Bereits Jungen werden für einige Wochen oder Monate ins Kloster geschickt, in dieser Zeit müssen auch ihre Eltern ihnen den entsprechenden Respekt erweisen. Viele Männer gehen auch später immer mal wieder für einige Zeit in ein Kloster – zum Beispiel rund um das Wasserfest, das vor Neujahr ausgelassen gefeiert wird; mit dem Wasser sollten ursprünglich die Sünden des vergangenen Jahres fortgespült werden, längst ist es ein großes Spektakel mit viel Musik. In Birma fängt Thingyan dieses Jahr am 12. April an, am Neujahrstag gehört ein Besuch in der Pagode dazu. Und für jeden Birmanen ist es selbstverständlich, Mönchen etwas zu spenden. Inzwischen sieht man auch mehr und mehr Nonnen mit kahl geschorenen Köpfen in rosa Gewändern.

Buddha wird überall und in vielen Darstellungen verehrt, ein besonders schöner liegt in Bago, der alten Mon-Hauptstadt rund 80 Kilometer von Rangun entfernt. 55 Meter lang, 16 imposante Meter hoch, sein in Falten liegendes goldenes Gewand und reich verzierte Füße begeistern die Besucher. Unter Glockenklängen, angeführt von einem Mönch, ziehen hier immer wieder betende Gläubige um die Statue. Den Schatten auf der mit einer Bildserie verzierten Rückseite nutzen Kinder nachmittags, um dort Schulaufgaben zu machen. Buddha gehört zum Alltag.

D a s Heiligtum des Landes ist die Shwedagon-Pagode in der ehemaligen Hauptstadt Rangun. Wer die große Glocke an einem der Aufgänge dreimal mit dem Holzklöppel zum Schwingen bringt, wird mit Glück belohnt, heißt es. Spätestens oben auf der Plattform ahnt jeder, warum Birma auch das goldene Land heißt. Die 100 Meter hohe Stupa, die nachts angeleuchtet ist, strahlt etwas Erhabenes und gleichzeitig Herzerwärmendes aus. Sie soll mit fast zehn Tonnen Gold bedeckt sein, ein Schirm aus tausenden Diamanten, Rubinen und Saphiren krönt sie. Die Juwelen sind von unten aus kaum zu sehen, aber für den Blick auf die Pracht stehen auf der Plattform Fernrohre.

Die Shwedagon ist von Sonnenaufgang bis in die Nacht belebt. Gläubige sitzen, wie in jeder Pagode natürlich barfuß, auf der marmornen Plattform rund um die Stupa, in den Andachtshallen vor Buddhafiguren mit wild blinkenden Lichtern. Sie beten, meditieren, bringen Opfer – und sie treffen sich zum Picknick. Hier kommt man auch mit Mönchen ins Gespräch. Rund um die goldene Stupa finden sich heilige Schreine mit Figuren, die den Wochentagen zugeordnet sind. Zum Schrein des Saturn mit Naga, der Drachenschlange, gehen die am Samstag Geborenen. Mit Wasser aus kleinen silbernen Schälchen übergießen sie die Figuren, opfern Blumengebinde mit bunten Schirmchen, die es an den mächtigen Aufgängen zu kaufen gibt, sie zünden auf den kleinen Mauern Räucherstäbchen an. Besonders beeindruckend ist die Shwedagon ganz frühmorgens an Neujahr, das in diesem Jahr am 17. April gefeiert wird. An diesem Tag werden die Mönche besonders reich bedacht. Juntageneräle scheuten sich in der Vergangenheit nicht, mit bewaffneter Eskorte (die aber auch barfuß!) zu den Feiern dort zu erscheinen.

Die Shwedagon ist eng mit der Politik verwoben. Die Ikone der Demokratiebewegung, Aung San Suu Kyi, hielt auf den Stufen der Pagode im turbulenten August 1988 ihre erste große Rede gegen die Militärmachthaber. Nach ihrer Freilassung im November 2010 dauerte es noch eine Weile, bis ihr im Ausland lebender Sohn ein Visum bekam und sie besuchen durfte. Als es so weit war, besuchten Mutter und Sohn unter großer Anteilnahme die Shwedagon-Pagode.

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