Bündnis : Einig gegen die PKK

Die Türkei erhält im Kampf gegen Kurdenrebellen Hilfe von USA und Iran.

Thomas Seibert[Istanbul]

Die Türkei setzt in ihrem Kampf gegen die Kurdenrebellen von der PKK neben militärischen Mitteln immer häufiger auch die Instrumente der internationalen Diplomatie ein – und zwar mit wachsendem Erfolg. In der Region deutet sich die Bildung eines bemerkenswerten internationalen Bündnisses gegen die PKK an. Die Türkei kann bei ihrem Vorgehen gegen die Rebellen nicht nur auf amerikanische Hilfe zählen, sondern seit neuestem auch auf Unterstützung durch den amerikanischen Erzfeind Iran. Zudem hat Ankara damit begonnen, ihre lange Zeit gespannten Beziehungen zu den nordirakischen Kurden zu verbessern. Für die PKK wird es eng.

Mit Luftangriffen und Artillerie-Bombardements nahm die türkische Armee auch am Pfingstwochenende wieder Positionen der PKK im benachbarten Nordirak unter Beschuss. Am 1. Mai will die Armee bei einem Luftangriff auf das Hauptquartier der PKK in den nordirakischen Kandil-Bergen mehr als 150 PKK-Kämpfer getötet haben. Die PKK bestreitet das und spricht ihrerseits von hohen türkischen Verlusten bei einem Angriff der Rebellen auf einen Armeeposten in der Südosttürkei vergangene Woche.

Während die Gefechte eskalieren, bemüht sich Ankara um außenpolitische Bündnispartner. Dabei haben die türkischen Diplomaten das kleine Kunststück fertiggebracht, die miteinander verfeindeten Amerikaner und Iraner indirekt in eine informelle Allianz gegen die PKK zu bringen.

Seit dem vergangenen Herbst haben die Türken grünes Licht der USA für begrenzte Militäraktionen gegen die PKK auf irakischem Gebiet. Seit Dezember fliegt die türkische Luftwaffe immer wieder Angriffe auf die Rebellen im Nachbarland und kann dabei auf amerikanische Geheimdienstinformationen wie Aufnahmen von US-Spionageflugzeugen zurückgreifen.

Seit neuestem hat das Nato-Mitglied Türkei nun offenbar auch Zugang zu iranischen Geheimdienstdaten. Mitte April einigten sich Ankara und Teheran auf eine engere Zusammenarbeit gegen die PKK und deren iranische Untergruppe PJAK. Im Vordergrund steht dabei der Austausch von Geheimdienstmaterial.

Im Rahmen dieser neuen Kooperation sei die türkische Armee vor einigen Tagen über die Flucht des hochrangigen PKK-Funktionärs Cemil Bayik aus Irak nach Iran informiert worden, meldete die Zeitung „Radikal“. Der türkische Generalstab hatte dazu vergangene Woche erklärt, Bayik habe sich in ein „Nachbarland“ abgesetzt. Am Wochenende gab es nach Angaben der nordirakischen Behörden wieder heftige Gefechte zwischen der PKK und den Iranern.

Ergänzt wird die diplomatische Offensive Ankaras durch Initiativen im Irak. Nach jahrelanger Funkstille nahm die Türkei Anfang Mai offizielle Kontakte zu den kurdischen Autonomiebehörden im Nordirak auf, um das Vorgehen gegen die PKK zu erleichtern. Lange Zeit mied Ankara solche direkten Gespräche mit der Selbstverwaltung der nordirakischen Kurden, weil die Türkei die Autonomiezone der Kurden im Nachbarland als Keimzelle eines unabhängigen Kurdenstaates betrachtete.

Doch auf Druck der USA und der Irak-Experten im türkischen Außenamt habe sich Ankara jetzt zur Aufnahme von Gesprächen entschlossen, sagt der türkische Kolumnist Semih Idiz. Zugleich hätten die nordirakischen Kurden erkannt, dass sie ohne gute Beziehungen zum großen Nachbarn Türkei isoliert seien: „Auf beiden Seiten dämmert der Realismus“, sagt Idiz.

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