• Bündnis gegen Terror: Die bedrohte Allianz - Was die arabische Welt von einem Bündnis hält

Politik : Bündnis gegen Terror: Die bedrohte Allianz - Was die arabische Welt von einem Bündnis hält

Andrea Nüsse

Vor zehn Jahren hatten die USA das Unmögliche möglich gemacht: Sie haben eine Allianz gegen Irak geschaffen, in der sich so unterschiedliche Länder wie Syrien und Saudi-Arabien Seite an Seite mit Großbritannien und den USA wiederfanden. Zehntausende US-Soldaten wurden ausgerechnet in Saudi-Arabien stationiert, dem Land, wo mit Mekka und Medina die beiden heiligsten Stätten des Islam liegen und deren nähere Umgebung von Nicht-Muslimen nicht betreten werden darf. Dabei hatten sich viele arabische Herrscher den Unmut ihrer Bevölkerungen zugezogen, die Saddam Hussein feierten, weil er sich durch das Abfeuern einiger Raketen auf Israel scheinbar als einziger arabische Führer erwies, der es wagte, Israel zu trotzen.

Vor allem Jordanien stand unter Druck, weil das Land nicht nur ein Hauptverbündeter der USA war, sondern auch des Nachbarlandes Irak, mit dem es enge Wirtschaftsbeziehungen unterhielt. Sogar Syrien unter Präsident Hafez al-Assad, einem der Hauptkritiker der US-Politik und Israels, hatte damals mitgemacht, um seinen Erzrivalen Saddam Hussein zu schwächen. Nur Jemen und die Palästinenser hatten sich auf die Seite Iraks gestellt. Diese breite Allianz war auch zustande gekommen, weil die USA gleichzeitig die Einberufung einer internationalen Nahostkonferenz versprochen hatten, die nach einer Lösung des Palästina-Konfliktes suchen sollte.

Anti-Amerikanismus wird stärker

Zehn Jahre später, nach den verheerenden Terror-Anschlägen in den USA, sind die USA erneut auf der Suche nach einem breiten Bündnis - diesmal im Kampf gegen den Terrorismus. Dabei stehen nicht nur Militäraktionen gegen Afghanistan an, das den Hauptverdächtigen bin Laden beherbergt, sondern womöglich auch gegen andere "Schurkenstaaten" wie Irak. Zwar kann US-Außenminister Colin Powell, damaliger Stabschef der US-Truppen, auf seine Erfahrungen zurückgreifen. Doch die Situation in der arabischen Welt hat sich gewandelt, von der alten Allianz ist nicht mehr viel übrig.

Der Anti-Amerikanismus hat angesichts der Ereignisse in Palästina bei den Bevölkerungen Hochkonjunktur. Selbst die Hauptverbündeten Amerikas, die Regierungen Ägyptens, Saudi-Arabiens und der anderen Golf-Staaten, kritisierten immer öfter die US-Politik, die Israel bei der Bekämpfung der Palästinenser freie Hand zu lassen schien. Die ägyptisch-amerikanischen Beziehungen waren auf einem Tiefpunkt. In den Golf-Zeitungen waren noch am Dienstagmorgen, wenige Stunden vor den Terroranschlägen, Warnungen zu lesen, die Amerikaner seien dabei, mit ihrer "pro-israelischen" Politik ihre Verbündeten zu verprellen.

Können die USA jetzt trotzdem auf die Unterstützung der arabischen Welt hoffen? Bis auf Irak haben bereits fast alle arabischen Regime den USA die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus zugesagt. Einschließlich Syrien und Libyen, die selbst noch immer von den USA verdächtigt werden, dem Terrorismus Vorschub zu leisten. Libyen hat keine Wahl, denn es wartet noch immer auf die Aufhebung der Sanktionen durch die USA.

Taliban haben kaum Sympathisanten

Außerdem fühlen sich viele arabische Regime, die mit den USA zusammenarbeiten, selbst als potenzielle Zielscheibe solcher Terrorakte. Mit Anschlägen in der Region hatten die hiesigen Regierungen auch eher gerechnet als mit Anschlägen in den USA.

Wenn die USA gegen Afghanistan vorgehen wollen, bereitet das den meisten arabischen Regierungen kaum Probleme. Das radikale Taliban-Regime hat kaum Sympathisanten in der arabischen Welt. Anders sähe es mit der Unterstützung aus, wenn Irak auf der Angriffsliste stünde. Ohne eindeutige Beweise, dass Saddam Hussein bei den Anschlägen seine Finger im Spiel hat, ist wohl kein arabisches Land zu einem neuen Militärschlag gegen Bagdad bereit.

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