Buenos Aires : Chinesen wollen Fackel noch stärker schützen

Das olympische Feuer macht am Freitag Station in Buenos Aires. Demonstranten haben zahlreiche Protestaktionen angekündigt. Deswegen werden die argentinischen Behörden fast 6000 Polizisten und Ordner einsetzen.

Peking/Buenos AiresMit einem Großaufgebot an Sicherheitskräften hat sich die argentinische Hauptstadt am Freitag gegen mögliche Störungen des olympischen Fackellaufes quer durch die Metropole gewappnet. Die Behörden mobilisierten insgesamt 5800 Polizisten und Ordner, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Ein derartig hohe Zahl an Sicherheitskräften zur Überwachung eines sportliches Ereignis war zuletzt unter der Militärdiktatur 1978 während der Fußballweltmeisterschaft in Argentinien aufgeboten worden. Die Flamme war am Vortag von San Francisco aus an Bord einer chinesischen Sondermaschine in Buenos Aires eingetroffen und sollte nach dem 14 Kilometer langen Lauf weiter nach Daressalam in Tansania reisen.

Das Aufgebot der chinesischen Sicherheitskräfte beim olympischen Fackellauf wird noch einmal verstärkt, teilte das Pekinger Organisations-Komitee BOCOG mit. Eine genaue Zahl des zusätzlichen Personals wurde aber nicht bekannt gegeben. Das olympische Feuer macht an diesem Freitag Station in Buenos Aires, wo Demonstranten bereits zahlreiche Protestaktionen entlang der 14 Kilometer langen Strecke ankündigten. BOCOG ist für den Fackellauf rund um die Welt, der als "Reise der Harmonie" angepriesen wird, verantwortlich.

Japan will Chinas Elitepolizisten nicht akzeptieren

Chinesische Sicherheitskräfte waren bei den Stationen in London, Paris und San Francisco im Einsatz, um die Flamme zu schützen. Die athletischen Offiziere in ihren blau-weißen Trainingsanzügen waren wegen ihres zum Teil rabiaten Verhaltens in die Kritik geraten. Japan kündigte an, die Sicherheitskräfte aus China beim Fackellauf am 26. April in der Stadt Nagano nicht zu akzeptieren. "Wir sollten uns an das Prinzip halten, dass die japanische Polizei für die Sicherheit sorgt", sagte der Vorsitzende der japanischen nationalen Kommission für öffentliche Sicherheit, Shinya Izumi.

Unterdessen erteilte die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai (68) der "Reise der Harmonie" eine Absage. Sie möchte wegen Chinas Tibet-Politik nicht an dem Fackellauf in Tansania teilnehmen. Das olympische Feuer wird am Sonntag in Daressalam erwartet, der einzigen Station in Afrika. Maathai verwies zur Begründung auch auf das umstrittene Engagement Chinas im Sudan. Scharfe Töne zur Olympiade in China kamen auch vom tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg: Er zog einen Vergleich zu den von nationalsozialistischer Propaganda geprägten Spielen 1936 in Berlin. "Ein solcher Missbrauch des olympischen Gedankens für die Propagierung von Diktaturen sollte nie wieder passieren", sagte der Minister laut Radio Prag. Schwarzenberg sprach sich gegen eine Teilnahme von europäischen Politikern bei der Eröffnungsfeier aus.

Unterstützung erhielt Peking aus Pakistan. Staatspräsident Pervez Musharraf sprach sich bei einem Besuch in China dagegen aus, die Spiele zu "politisieren" oder zu stören. Pakistan betrachte Tibet als "unveräußerlichen Teil des chinesischen Staatsgebietes". (mhz/dpa)

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