Bürgerkrieg in Syrien : Helfen, bis es nicht mehr geht

Zwei Millionen Syrer sind auf der Flucht, doch mehr als doppelt so viele irren heimatlos im Land umher. Das Deutsche Rote Kreuz bleibt vorerst in Damaskus präsent – und versucht, die tägliche Not zu lindern.

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Gemeinsam mit dem Roten Halbmond versucht das Deutsche Rote Kreuz in Syrien den Menschen zu helfen.
Gemeinsam mit dem Roten Halbmond versucht das Deutsche Rote Kreuz in Syrien den Menschen zu helfen.Foto: dpa

Dramatisch, sagt Annette Kohlmeier, sei die Lage in Syrien schon lange. Ständig gebe es Kämpfe. Granatfeuer und Schusswechsel gehörten genauso zum Alltag wie das Anstehen nach Brot und Milch. Von der Furcht ums eigene Leben ganz zu schweigen. „Alle Menschen sind vom Konflikt betroffen, alle machen sich große Sorgen, alle bangen um Verwandte und Freunde“, betont die Repräsentantin des Deutschen Roten Kreuzes in Damaskus. Sollten die Amerikaner in den nächsten Tagen tatsächlich Angriffe gegen Stellungen des Regimes fliegen, würde dies das Leid der Bevölkerung nochmals vergrößern, die Flüchtlingszahlen weiter in die Höhe treiben. Doch katastrophal sei die Situation auch schon heute.

Zwei Millionen Menschen sind aus Syrien auf der Flucht

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks haben bislang zwei Millionen Menschen in Lagern außerhalb Syriens Zuflucht gefunden. Mehr als vier Millionen gelten als Binnenvertriebene, das heißt, sie irren heimatlos und ziellos im Land umher. Beim Roten Kreuz geht man sogar davon aus, dass inzwischen bis zu sieben Millionen Menschen auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen sind. Die Nothilfe umfasst in erster Linie Nahrung, Wasser, Medikamente und Hygieneartikel. „Gerade das Gesundheitssystem ist fast vollständig zusammengebrochen“, sagt Kohlmeier. Zum Beispiel seien rund 75 Prozent der Krankenhäuser nicht mehr richtig funktionsfähig.

Umso wichtiger ist die Hilfe an Ort und Stelle. Die organisiert das Rote Kreuz in enger Zusammenarbeit mit dem Syrischen Roten Halbmond. Dessen freiwillige Helfer versuchen, möglichst viele Landesteile zu erreichen – ein gleichsam schwieriges wie hochgefährliches Unterfangen.

Die Helfer können in einige Gebiete in Syrien nicht mehr vordringen

Nicht nur dass zahllose bürokratische Hürden überwunden werden müssen, sondern es ist zudem unerlässlich, immer wieder mit den verschiedenen Kriegsparteien über Sicherheitsgarantien für die Hilfstransporte zu verhandeln. Ein mühsames, langwieriges Geschäft. „Ein Konvoi von Damaskus nach Aleppo braucht normalerweise vier, fünf Stunden. Derzeit benötigen die Laster bis zu drei Tage“, berichtet Kohlmeier. Für gut 300 Kilometer. Hinzu kommt, dass die Helfer in einige Gebiete überhaupt nicht mehr vordringen können. Die kämpfenden Parteien haben sie für den Verkehr abgeriegelt.

Lebensgefahr – auch für die Helfer in und um Damaskus ist das derzeit ein zentrales Thema. Sollte der Ernstfall eintreten, also Amerika Einrichtungen der Assad-Regierung beschießen, muss rasch entschieden werden, ob und wann die Mitarbeiter das Land verlassen. Die Zentrale des Roten Kreuzes in Berlin und die Vertreter der Hilfsorganisation in Damaskus sind deshalb permanent im Gespräch. „Im Moment ist das Risiko noch tragbar“, sagt Annette Kohlmeier. Doch das könne sich jederzeit ändern. „Dann heißt es: Rasch in die wartenden Autos steigen und Richtung Beirut fahren.“ Dort müsse man abwarten, die Lage beobachten und auf eine schnelle Rückkehr hoffen. Um den Leidtragenden des Krieges weiterhin helfen zu können.



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