Bürgerkrieg in Syrien : Rebellen wollen sich aus Homs zurückziehen

Aufständische sollen mit dem syrischen Regime Waffenruhe und Abzug vereinbart haben. Für den Präsidenten, Baschar al Assad, der in wenigen Wochen trotz Bürgerkriegs wieder gewählt werden will, ist das ein wichtiger Propagandaerfolg.

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Die syrische Großstadt Homs liegt nach drei Jahren in Trümmern. Hier hatten zunächst die Rebellen ihre Hochburg, doch dann wurden große Teile der Stadt von Regierungstruppen eingenommen. Jetzt sollen die Rebellen zugesagt haben, sich zurückzuziehen. Foto: dpa
Die syrische Großstadt Homs liegt nach drei Jahren in Trümmern. Hier hatten zunächst die Rebellen ihre Hochburg, doch dann wurden...Foto: dpa

Seit mehr als drei Jahren tobt in Syrien ein mörderischer Bürgerkrieg. Und lange Zeit galt Homs als Hochburg der Aufständischen, als Symbol des Widerstands gegen Machthaber Baschar al Assad. Doch in den vergangenen Monaten gelang es den Regierungssoldaten in heftigen Gefechten, große Teile von Homs zurückzuerobern. Die Rebellen kontrollieren inzwischen nur noch einige Viertel in der Altstadt und verteidigen diese bislang gegen Angriffe. Womöglich allerdings nicht mehr lange: Die syrische Führung hat nach Angaben von Aktivisten mit den bewaffneten Oppositionellen jetzt einen Rückzug vereinbart.

Es gebe eine Übereinkunft für eine Waffenruhe, damit die Aufständischen die von ihnen gehaltenen Bezirke verlassen könnten, teilte die in London ansässige oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Experten gehen davon aus, dass sich rund 1000 Rebellen aus Homs in Richtung Norden der gleichnamigen Provinz zurückziehen werden. Sollte es tatsächlich dazu kommen und das Regime so die vollständige Kontrolle über die weitgehend in Schutt und Asche liegende Großstadt übernehmen, wäre das vier Wochen vor den Präsidentschaftswahlen ein Prestigeerfolg für den Herrscher in Damaskus.

Homs wird seit Monaten bombardiert und abgeschottet

Assads Truppen schotten Homs seit Monaten von der Außenwelt hermetisch ab und bombardieren die im Westen des Landes gelegene, einst prächtige Metropole fast täglich – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung. Die Menschen leiden nicht allein unter den ständigen Bombardements, sondern auch unter Hunger und mangelnder medizinischer Versorgung. Nach langwierigen Verhandlungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen verständigten sich Ende Januar Vertreter der Konfliktparteien auf einen „humanitären Waffenstillstand“: Das Regime sicherte zu, auf drei Tage begrenzte Hilfslieferungen für die eingeschlossene Bevölkerung zuzulassen. Außerdem wurde vereinbart, dass Frauen, Kinder und Alte die Stadt verlassen dürfen. Anfang Februar konnten schließlich ungeachtet der brüchigen Waffenruhe mehrere Lastwagen der Vereinten Nationen mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung Homs erreichen, einige hundert Einwohner wurden in Sicherheit gebracht.

Doch das war für die Menschen nur eine Atempause. In den vergangenen Wochen gingen die Kämpfe in Homs mit unverminderter Härte weiter. Auch in anderen Landesteilen gibt es nach wie vor schwere Gefechte. Dementsprechend steigt die Zahl der Flüchtlinge weiterhin unaufhörlich. Millionen Syrer haben inzwischen ihre Heimat verloren, suchen Schutz und eine sichere Unterkunft. Viele sind deshalb in Nachbarländer geflohen.

Jordanien eröffnet ein weiteres großes Flüchtlingslager

Als Reaktion auf den Ansturm ist in Jordanien jetzt ein neues Flüchtlingslager offiziell eröffnet worden. „Asrak“ liegt 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Amman mitten in der Wüste und soll bis zu 50 000 Flüchtlingen Platz bieten. Die Kapazität des Camps kann aber bis auf 130 000 ausgeweitet werden. Es ist in „Dörfer“ eingeteilt und verfügt unter anderem über zwei Schulen sowie ein vom Roten Kreuz betriebenes Krankenhaus. In Jordanien, wo laut Schätzungen derzeit eine Million Syrer leben, gibt es mit Zaatari bereits ein weiteres riesiges Flüchtlingscamp.

Die Vereinten Nationen haben am Abend Gerüchte zurückgewiesen, der Syrien-Sondervermittler Lakhdar Brahimi wolle zurücktreten. „Diese Gerüchte haben am Tag nach seinem Amtsantritt begonnen, aber Lakhdar Brahimi bleibt Sondergesandter“, sagte ein UN-Sprecher in New York. Aufgrund der stagnierenden Bemühungen um eine Verhandlungslösung für den Bürgerkrieg in Syrien hatten Diplomaten zuvor einen baldigen Rücktritt des 80 Jahre alten Sondervermittlers der Vereinten Nationen erwartet. Brahimi, der den Posten im September 2012 nach dem Rücktritt von Kofi Annan angetreten hatte, traf sich am Freitag in New York mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. (mit dpa)

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