Bürgerkrieg in Syrien : Weiter Kämpfe in Aleppo trotz angekündigter Waffenruhe

Drei Stunden lang sollten in Aleppo die Waffen schweigen, um Zivilisten zu helfen. Doch aus der russischen Ankündigung ist nichts geworden.

Wie hier vorgestern gingen die Angriffe in Aleppo auch am Donnerstag weiter.
Wie hier vorgestern gingen die Angriffe in Aleppo auch am Donnerstag weiter.Foto: REUTERS

Die Kämpfe in Aleppo gehen trotz einer von Russland angekündigten Feuerpause weiter. Mehrere Male nach dem eigentlichen Start der Waffenruhe um 10.00 Uhr Ortszeit (9.00 Uhr/MESZ) schlugen Granaten in den Rebellengebieten Aleppos ein. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte den Beschuss. Moskau hatte am Mittwoch angekündigt, ab Donnerstag würden jeweils von 10.00 bis 13.00 Uhr Ortszeit (9.00 und 12.00 Uhr MESZ) alle Kämpfe sowie Artillerie- oder Luftangriffe eingestellt. Aleppo gilt als das umkämpfteste Schlachtfeld im syrischen Bürgerkrieg. Die Stadt ist zwischen dem von Russland unterstützen Regime von Machthaber Baschar al Assad und verschiedenen Rebellengruppen aufgeteilt. Seit Freitag versuchen die Aufständischen mit einer Offensive, den Belagerungsring der Regierungstruppen um den Osten der Stadt zu durchbrechen. Dort sollen noch etwa 250.000 Menschen leben. Bislang gelang es den Kämpfern jedoch nicht, einen sicheren Korridor für Zivilisten und Hilfsgüter zu errichten.

Die UN hatten am zudem am Mittwoch mitgeteilt, der russische Vorschlag einer täglich dreistündigen Feuerpause reiche nicht aus, um der Bevölkerung zu helfen. „Was könnte in drei Stunden erreicht werden?“, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien in New York. Nur ein kleiner Teil der Hilfe könnte die Betroffenen in dieser Zeit erreichen. Feuerpausen von mindestens 48 Stunden seien nötig, um Hilfsgüter auf Lastwagen zu laden, diese nach Aleppo zu transportieren und Menschen in Sicherheit zu bringen.

Offenbar Tote bei Gasangriff

Bei einem Gasangriff in Aleppo sind nach Angaben eines Krankenhauses mindestens vier Menschen getötet worden. Weitere 55 hätten Verletzungen der Atemwege erlitten, sagte der Chef des Al-Kuds-Hospitals, Hamsa Chatib, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Behälter mit dem Gas, bei dem es sich vermutlich um Chlor handle, seien am Mittwoch zusammen mit Fassbomben über einem Viertel der Stadt abgeworfen worden. Chatib sagte, er habe Kleidungsstücke und Bombenteile als Beweismittel aufgehoben.

Der Syrische Zivilschutz, ein Rettungsdienst aus Freiwilligen, verzeichnete nach eigenen Angaben drei Tote und 22 Verletzte durch einen Gasangriff auf das Viertel Subdija in dem Teil Aleppos, der unter Kontrolle der Rebellen in Syrien ist. Auch die Helfer gingen davon aus, dass es sich um Chlor handele, sagte die Gruppe zu Reuters. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Hubschraubern, die Fassbomben abgeworfen hätten. Eine Mutter und ihr Kind seien erstickt. (dpa/rtr)

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