Bürgerkrieg : Was die Freiheit in Syrien kostet

Zehntausende sind bereits gestorben, Hunderttausende auf der Flucht. Nun hat sich Deutschland bereiterklärt 36 Schwerverletzte des syrischen Bürgerkrieges auszufliegen und zu behandeln. Ein Besuch im Krankenhaus.

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Markus Löning (links) erkundigt sich bei Eitham al Abud, einem der 36 Schwerverletzten Syrer, die in Deutschland behandelt werden, nach der Situation im Bürgerkriegsland. Foto: dpa
Markus Löning (links) erkundigt sich bei Eitham al Abud, einem der 36 Schwerverletzten Syrer, die in Deutschland behandelt werden,...Foto: dpa

Ein Schuss traf Eitham al Abud ins Handgelenk, zerfetzte seine Venen. Eine weitere Kugel durchschlug seinen Oberarm. Das war vor fast einem Jahr. Nun sitzt al Abud im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Er ist einer von 36 Schwerverletzten des syrischen Bürgerkrieges, die die Bundesregierung zur Behandlung nach Deutschland geholt hat. Al Abud war aktiver Kämpfer gegen das Regime von Baschar al Assad. Er ist es noch, sagt er. Sein Sohn ist längst „Märtyrer“.

Freiheitskampf in Syrien
Blumenvase à la Kalaschnikow. Ein syrischer Kämpfer hat eine Blume in den Lauf seiner russischen AK-47 gesteckt. Foto: AFPAlle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: AFP
10.05.2013 17:11Blumenvase à la Kalaschnikow. Ein syrischer Kämpfer hat eine Blume in den Lauf seiner russischen AK-47 gesteckt.

An al Abuds Krankenbett ist eine syrische Flagge aufgehängt. Er trägt eine Art schwarzen Turban, Vollbart, auf dem Nachttisch liegt ein Koran. Er kramt nach seinem iPhone, bemalt in den syrischen Nationalfarben, und spielt ein Video ab. Die Bilder zeigen wie al Abud notdürftig in der Nähe der syrisch-jordanischen Grenze auf der Straße von Ärzten der Rebellen zusammengeflickt wird. Markus Löning, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, schaut genau hin. Er besucht die Verwundeten.

Am 15. April hatte die Regierung in Absprache mit der Nationalen Koalition der Syrischen Opposition 36 Schwerverletzte Syrer nach Deutschland gebracht, die dort nicht ordentlich behandelt werden konnten. Sie wurden auf die Bundeswehrkrankenhäuser in Hamburg, Ulm, Westerstede und Berlin verteilt. Al Abud bedankt sich überschwänglich bei Löning. Er wird seinen Arm nun nicht verlieren. Kunstlehrer sei er gewesen. In Daraa, wo der Aufstand in Syrien seinen Anfang nahm und sich zu einem Bürgerkrieg mit mehreren Zehntausend Toten entwickelte. Al Abud griff zu den Waffen und wurde verletzt, als er einen 15-jährigen toten Schüler von der Straße ziehen wollte. Er hoffe, sagt er zu Löning, dass die Bundesregierung noch mehr Menschen helfen werde.

Bisher hat Deutschland für mögliche Behandlungskosten drei Millionen Euro bereitgestellt, man hoffe aber, dass die tatsächlichen Kosten darunter lägen, hieß es. Zehn Millionen Euro hat Deutschland in einen Hilfsfonds eingezahlt, der humanitäre Hilfe für syrische Flüchtlinge finanzieren soll. Die Verletzten, die nun in Deutschland sind, werden auch durch die syrische Gemeinde versorgt: Mit einmalig 150 Euro, Dolmetschern und dem Gefühl, in der Fremde nicht allein zu sein.

Zum Abschied gibt Löning al Abud die Hand. „Wir müssen das wenige tun, was wir tun können“, sagt er. Ein Satz, der offenlässt, ob weitere Verletzte aus Syrien und den Flüchtlingslagern ausgeflogen werden können. Der Fokus liege auf Hilfe vor Ort. Bald will Deutschland 5000 Flüchtlinge aufnehmen. Dann müsse man weitersehen, sagt Löning. Die Zeit drängt. Vier Familienmitglieder hat al Abud nach eigener Aussage in der letzten Woche im Krieg verloren. „Aber die Freiheit kostet immer so viel“, sagt al Abud.

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