Politik : Bürgermeister als Bettler

Mit Verkleidung demonstrieren Kommunalpolitiker für mehr Geld

Jürgen Zurheide[Düsseldorf]

Besonders auffällig hat die „Kommunale Arbeitsgemeinschaft Bergisch Land“ in der Vergangenheit nicht operiert. Selbst im zuständigen Düsseldorfer Innenministerium wissen allenfalls die Fachbeamten etwas über den Zusammenschluss der Kommunalpolitiker aus dem bergischen Land. Mit ihrem Auftritt am Mittwoch vor dem Bundestag soll sich das ändern: Vier leibhaftige Oberbürgermeister und drei Landräte aus dem Städtedreieck zwischen Leverkusen, Wuppertal und Solingen wollen gemeinsam unter dem Wappen des bergischen Löwen vor dem Bundestag demonstrieren.

Um auch dem letzten Bürger klar zu machen, worum es ihnen geht, werden sich die bergischen Löwen in Lumpen kleiden. „Wir sind pleite, wir sind es leid, Bettler zu sein", erklärt dazu der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Ernst Andreas Ziegler. Im Hauptberuf ist der Mann Leiter der Presseamtes der Stadt Wuppertal.

Die illustre Gruppe wird sich den Fotografen am Mittwoch also im Les-Miserables-Outfit präsentieren. Zum Teil in Kostümen aus dem Theaterfundus wollen sie auf die katastrophale Lage der kommunalen Finanzen aufmerksam machen. „Mit tausenden von Resolutionen erreicht man niemanden mehr", fürchtet Paul Hebbel, das christdemokratische Stadtoberhaupt von Leverkusen. Über die Parteigrenzen hinweg glauben sie, die Öffentlichkeit aufrütteln zu müssen, da stimmt der Sozialdemokrat aus dem Wuppertaler Rathaus ausdrücklich zu.

Die sieben haben unterdessen auch den Glauben daran verloren, dass die Bundesregierung den vielen Lippenbekenntnissen zu Gunsten der Kommunen endlich Taten folgen lassen wird. Genau das wollen sie der zuständigen Staatssekretärin bei Hans Eichel, der Sozialdemokratin Barbara Hendricks, gemeinsam erklären. „Selbst wenn wir alle freiwilligen Leistungen streichen", rechnet Ernst Andreas Ziegler vor, „könnte keine Gemeinde bei uns einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen". Sollte die Bundesregierung die Lumpenmagistrate nicht erhören, wollen sie beim nächsten Mal mit all ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem ganzen Bundesgebiet wiederkommen.

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