Politik : Bürgermeister Giuliani läßt sich scheiden - die Chancen auf den Senatsposten sinken

Mit einer weiteren aufsehenerregenden Enthüllung aus seinem Privatleben hat der New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani seine Kandidatur gegen "First Lady" Hillary Clinton für den US-Senat erneut in Frage gestellt. Nachdem er erst vor zwei Wochen mitgeteilt hatte, er leide an Prostata-Krebs, gab er am Mittwoch nach 18 Jahren Ehe die Trennung von seiner Frau Donna Hanover bekannt. Der konservative Bürgermeister trug seinen Ehering schon länger nicht mehr und war in jüngster Zeit häufig mit einer anderen Begleiterin gesehen worden. Der Lokalnachrichtensender New York One berichtete, Giuliani werde womöglich schon am Donnerstag seinen Verzicht auf die Senatskandidatur bekannt geben. Diese Meldung wurde von der Sprecherin des Bürgermeisters umgehend dementiert.

Bei der überraschend einberufenen Pressekonferenz wirkte Giuliani am Mittwochnachmittag sichtlich erschüttert. Er habe eingesehen, dass es keinen Sinn mehr habe, etwas vorzutäuschen oder sich zu verstecken, sagte der 55-jährige Republikaner. Ein schmerzhafter Prozess liege hinter ihm. Er sei sehr traurig und fühle sich schrecklich. Seine Frau und er führten in vielerlei Hinsicht unabhängige und getrennte Leben. Hanover sei eine "wunderbare Frau und eine wunderbare Mutter". Er hoffe auf eine Trennung in aller Freundschaft, vor allem um die beiden Kinder zu schützen, die zehn und 14 Jahre alt sind.

Giulianis Frau, eine Fernsehjournalistin und Schauspielerin, gab vor der Residenz des Bürgermeisters ihrerseits eine tränenreiche Erklärung ab. "Ich hatte gehofft, dass wir diese Ehe erhalten könnten", sagte Hanover, die mehrfach gestützt werden musste. Es sei oft schwer gewesen, ihrem Mann öffentlich zur Seite zu stehen, vor allem während seiner Beziehung zu einer Mitarbeiterin. Giuliani war vor zwei Jahren ein Verhältnis mit seiner damaligen Pressesprecherin Cristyne Lategano nachgesagt worden. Mittlerweile geht er mit einer New Yorkerin namens Judi Nathan aus, die er selbst als "sehr enge Freundin" bezeichnet hat.

Hanover hatte erst vor kurzem mit einem Engagement in dem feministischen Theaterstück "Die Vagina-Monologe" für Aufsehen gesorgt. Die Autorin des Schauspiels ist eine Freundin von US-Präsidentenfrau Hillary Clinton. Angesichts des Wirbels um ihr Engagement hatte die Bürgermeisterfrau ihren ersten Auftritt in dem Stück schließlich aufgeschoben.

Der gewöhnlich gut informierte TV-Sender New York One berichtete unter Berufung auf die Umgebung des Bürgermeisters, Giuliani neige dazu, aus dem Rennen um den Senatsposten auszusteigen. Allerdings sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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