Politik : Bürgermeister-Wahl: Ein Gespenst im Roten Rathaus (Kommentar)

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Bald ist Gregor Gysi ein freier Mann. Im Herbst gibt er sein Amt als Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion ab; die Führung der Partei hatte er bereits vor Jahren in andere Hände gelegt. Und am 3. Oktober wird sein großes Thema, die Folgen der Einheit, offiziell Historie, Wiedervorlage 2005. Weil Gysi aber für den Vorruhestand einen zu hohen Blutdruck hat, kann man ihn sich gut in folgenden drei Rollen vorstellen: Staranwalt, Bundestagsclown, Talkmaster. Seit ein paar Wochen wird in der PDS eine vierte Idee ventiliert: Wie wäre es mit - Regierender Bürgermeister von Berlin? Natürlich wird alles dementiert. Spitzenkandidat der PDS in Berlin: Das passe nicht in Gysis Lebensplanung, heißt es. Aber es passte sehr gut zu Gysi. Das würde er genießen: Wahlkampf gegen Diepgen und Strieder. Und deshalb lohnt es sich, über die Folgen nachzudenken, obwohl die nächste Wahl erst 2004 ist - wenn denn die schwarz-rote Koalition solange hält. Und genau darum geht es: um die Koalition, die kaum jemand noch einmal will. Gysi in Berlin machte es den Sozialdemokraten schwerer, die PDS zu ignorieren, und sie liefen Gefahr, Wähler an ihn zu verlieren. Auf der anderen Seite müssten die Grünen um den Partner bangen, auf den sie so lange vergeblich gewartet haben. Ein Spitzenkandidat Gysi, der den Sozialdemokraten ein Bündnis vorschlüge, machte es den Grünen leichter, sich nach der CDU umzuschauen. Wie gesagt: alles Spekulation. Aber der Name Gysi öffnet die Diskussion darüber, wie es weitergehen kann in Berlin. Und das ist nicht wenig.

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