Politik : Bürgermeisterwahl: Kampf um Rom

Clemens Wergin

Der Ort könnte suggestiver nicht sein: Vor sich das Kolosseum, im Rücken die "Via Sacra", die zum antiken römischen Forum führt. Walter Veltroni, Parteichef der Linksdemokraten und Spitzenkandidat der Mitte-Links-Koalition für das Amt des Bürgermeisters von Rom ist nach einem strapaziösen Wahlkampf in der Peripherie ins Herz von Rom zurückgekehrt. Ein paar tausende Menschen sind trotz des leichten Regens gekommen, denn sie wissen: Es geht um mehr als eine italienische Metropole. Auf dem Spiel steht die Hauptstadt - und das Symbol einer erfolgreichen linken Regierung unter Francesco Rutelli als Bürgermeister. Der in sieben Jahren der Stadt ein neues Gesicht gegeben hat - und neues Selbstbewusstsein. "Wenn ganz Italien vor zwei Wochen gewählt hätte wie Rom, hätten wir die Wahlen gewonnen", ruft Veltroni in die Menge. 17 von 24 Direktmandaten gingen an die Mitte-Links-Koalition. Und Veltroni führt mit mehr als drei Prozent vor seinem Rivalen Antonio Tajani. Doch allen ist klar: In der Stichwahl entscheiden wenige Stimmen.

Aber auch in Turin und Neapel wird es knapp werden. In Turin hat der Kandidat der Linken einen hauchdünnen Vorsprung. Und in Neapel führt die ehemalige Bildungsministerin Rosa Russo Iervolino nach dem ersten Wahlgang zwar mit drei Prozent. Doch ein bequemes Polster ist das nicht. Denn wer weiß schon, wie sich die Wähler verteilen werden, die vor zwei Wochen für andere Kandidaten stimmten. Und noch eine Angst geht um auf der Linken: Dass die eigenen Leute durch den Sieg Berlusconis bei den Parlamentswahlen demoralisiert sind oder verärgert durch das Chaos an den Urnen.

Als die erste italienische Republik 1992 in Korruptionsskandalen unterging, avancierten die gestärkten Bürgermeister zu den Hoffnungsträgern einer neuen Politik - und wurden zu den Vorboten des Föderalismus. Orlando in Palermo, Bianco in Catania, Bassolino in Neapel und Rutelli in Rom zeigten, dass auch die korruptionsgeplagten Städte des Südens durch eine Politik der sauberen Hände auferstehen konnten. Wie die deutschen Bundesländer wurden die großen Kommunen zum Trainingsplatz einer neuen Politikergeneration. Und so machte die Mitte-Links-Koalition nicht umsonst Francesco Rutelli zu ihrem Spitzenkandidaten bei den Parlamentswahlen, hatte der doch die schwierige Stadt erfolgreich regiert.

Die Linke, die seit Monaten die Niederlage bei den Parlamentswahlen erwartete, setzte als Ausgleich auf die großen Kommunen - wo sie in der Vergangenheit viele relativ erfolgreiche Regierungen stellte. Während Berlusconi meist Leute aus der zweiten Reihe als Kandidaten aufstellte, nominierte man profilierte Persönlichkeiten. Denn eins war klar: Eine Renaissance führt nur über die Kommunen und Regionen.

Walter Veltroni ist der exponierteste Politiker, der für ein Bürgermeisteramt antritt: Der Parteichef der Linksdemokraten war Kulturminister und Stellvertretender Regierungschef unter Prodi. Seine Kandidatur sei eine "Lebensentscheidung" sagt Veltroni, der auch bei einer Niederlage sein Parteiamt und sein Abgeordnetenmandat aufgeben will, um Kommunalpolitik zu betreiben. Ihm gegenüber steht ein Berlusconi-Intimus, der zugibt, nicht erste Wahl gewesen zu sein. Berlusconi habe erst drei bis vier andere angerufen, hat Tajani in einem Interview gestanden. Wie ein "gehorsamer Soldat" habe er der Bitte des Chefs "gehorcht". Berlusconi plädiert für eine Regierung Ton in Ton: Die Region wird von Francesco Storace von der Alleanza Nazionale geführt und er selber wird von Rom aus das Land regieren. Sollte Veltroni dennoch in der strukturkonservativen Metropole gewinnen, wäre das nicht nur eine persönlicher Triumph, sondern auch ein Signal: Dass der "Cavaliere" nicht das ganze Land in der Tasche hat.

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