Politik : Bulgarien: Ex-König Simeon II. als Regierungschef nominiert

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Bulgariens Ex-König hat knapp vier Wochen nach dem Wahlsieg seiner Bewegung den Spekulationen über seine künftige politische Rolle ein Ende gesetzt. Simeon II. will die neue Regierung persönlich als Premierminister anführen. Am Sonntag wird Bulgariens Präsident Petar Stojanov ihn als Premierminister vorschlagen und formell mit der Bildung einer Regierung beauftragen. "Mit starken Gefühlen, aber auch mit meinem typischen Verantwortungsbewusstsein nehme ich den Vorschlag an", erklärte Simeon II. Er sehe sich dem Wohl des Volkes verpflichtet und hoffe, die Versprechungen einlösen zu können: "Lasst Gott mit uns sein und uns den rechten Weg weisen". Simeon II. hat bis Freitag kommender Woche Zeit, sein Kabinett zusammenzustellen und dem Parlament in einer Sondersitzung zu präsentieren.

Der Ex-König hat am 17. Juni mit seiner Nationalen Bewegung Simeon II. genau die Hälfte der 240 Mandate im Parlament gewonnen. Der 64-jährige Monarch und Chef der Bewegung hatte jedoch auch nach dem klaren Wahlsieg über den bisherigen konservativen Premier Iwan Kostow keine klare Aussage über seine künftige Rolle machen wollen. In Sofia vermuteten Beobachter zuerst, der Ex-König strebe nach einer Rolle hinter den Kulissen und außerhalb der Institutionen. Der Politologe Iwan Krastew vom Zentrum für Liberale Strategien (CLS) wertet es nach der Bekanntgabe als positiv für die Stabilität des Landes, dass Wahlsieger Simeon II. nun persönlich Verantwortung übernehmen wolle.

Ein Grund, weshalb seine Majestät in den Ring steigt, ist die dünne Personaldecke der Nationalen Bewegung von Simeon II. Die Bewegung war erst im Frühjahr in Hinblick auf die Wahlen gegründet worden. Für das Kabinett werden bisher erst Nikolai Wasilew und Milen Dautschew als künftige Wirtschafts- beziehungsweise Finanzminister gehandelt. Die beiden jungen Männer haben vor allem im Ausland bei internationalen Beratungsfirmen Erfahrungen sammeln können. Die konservativen Wahlverlierer wollen eine Minderheitsregierung des Ex-Königs unterstützen - das aber nur, wenn die Nationale Bewegung nicht gleichzeitig die türkische Minderheitspartei als Juniorpartner in die Regierung nimmt.

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