Bulgarische Krankenschwestern : Nooke will Libyen Gelder streichen

Nach dem Todesurteil gegen fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt hat der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Günter Nooke, einen verstärkten Druck auf Libyen angekündigt.

Berlin - Die Vorwürfe seien "so absurd, dass man nur mit offenem und verdecktem diplomatischen Druck versuchen kann", die libysche Führung zum Umdenken zu bewegen, sagte Nooke dem Inforadio rbb. Unter anderem solle darüber nachgedacht werde, "einzelne Gelder von Entwicklungshilfeprojekten auszusetzen". Im Fall der bulgarischen Krankenschwestern gehe es nicht um religiöse Konflikte sondern um "schlichte Machtsicherung" der libyschen Führung. "Ich glaube, dass man auch die Gelder, die nach Libyen gehen, nutzen sollte, um zu sagen, so geht es nicht."

Ein Berufungsgericht in Tripolis hatte die Todesurteile gegen die fünf Krankenschwestern und den palästinensischen Arzt am Dienstag trotz entlastender Aussagen von Experten und wissenschaftlichen Studien bestätigt und damit international Empörung ausgelöst. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte das Urteil "ausgesprochen grausam". In dem Verfahren seien verschiedene Gesichtspunkte nicht berücksichtigt worden. Die Angeklagten waren in Tripolis erneut für schuldig befunden worden, 426 Kindern in einem libyschen Krankenhaus bewusst Aids-verseuchte Transfusionen verabreicht zu haben. Die Verteidigung will Berufung vor dem Obersten Gerichtshof einlegen. (tso/AFP)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar