Politik : Bulmahn: Lehrstellenumlage steht nicht mehr zur Debatte

ufo

Trotz der weiter ungelösten Probleme auf dem Lehrstellenmarkt steht für die Bundesregierung eine Ausbildungsplatzabgabe nicht mehr zur Diskussion. Dies erklärte Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nach der Kabinettsentscheidung über den Berufsbildungsbericht 2000 am Mittwoch. Gemeinsam mit den Gewerkschaften und den Arbeitgebern habe man sich im "Bündnis für Arbeit" auf freiwillige Maßnahmen verständigt, um für ein ausreichendes Lehrstellenangebot zu sorgen, sagte sie.

Bulmahn appellierte erneut an die Unternehmen, mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Denn obwohl 1999 rund 18 500 Jugendliche mehr als im Jahr zuvor eine Lehrstelle bekommen haben, fehlen weiterhin Tausende von Ausbildungsplätzen. Der Zuwachs ist ausschließlich auf die ausgeweiteten staatlichen Hilfsprogramme zurückzuführen.

So schuf der Bund mit seinem Sofortprogramm allein 10 000 zusätzliche Plätze, weitere 8500 Verträge kamen durch Länderprogramme hinzu. In Ostdeutschland standen den Jugendlichen weitere 17 500 finanzierte Ausbildungsplätze zur Verfügung. Insgesamt konnten die Arbeitsämter im vergangenen Jahr 631 000 Lehrstellen vermitteln, wie aus dem Berufsbildungsbericht hervorgeht. Der Bericht aus dem Hause der Bildungsministerin macht deutlich, dass die Wirtschaft im vergangenem Jahr entgegen der bisherigen Darstellung nicht mehr, sondern deutlich weniger Lehrstellen angeboten hat. 29 400 Jugendliche hatten bis zum Stichtag 30. September keinen Ausbildungsplatz gefunden. Immerhin konnten die meisten von ihnen in den vergangenen Monaten vermittelt werden, so dass nur rund 7600 Jugendliche auch im März noch keine Stelle hatten. Ihnen boten die Arbeitsvermittler teilweise mehrfach einen Ausbildungsplatz an.

Erschreckend ist der Unterschied der Lehrstellenangebote in Ost- und Westdeutschland. Während in den südlichen Ländern im Westen Lehrstellen nicht besetzt werden konnten, weil zu wenig Jugendliche vorhanden waren, ist es im Osten umgekehrt. Allerdings konnten sich nur 17 000 junge Leute aus Ostdeutschland aufraffen, in den Westen zu ziehen und dort eine Stelle anzunehmen. Insbesondere im Nahrungsmittelgewerbe fehlen in Westdeutschland Auszubildende. In Ostdeutschland hingegen räumte Bulmahn "erhebliche Probleme" ein. Dabei sei jetzt bereits abzusehen, dass ab 2005 zu wenig Jugendliche in Ostdeutschland leben werden. Dann nämlich verlassen die geburtenschwachen Jahrgänge der Wendezeit die Schule. Noch hätten die Unternehmen also die Chance, sich mit leistungsstarken jungen Mitarbeitern einzudecken, um in Zukunft keinen Facharbeitermangel zu haben.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar