Bundesärztekammer : Tausende Patienten beschweren sich über ihre Ärzte

Bei Hüft- und Kniegelenkoperationen passieren Ärzten offenbar am häufigsten Fehler. Dazu kommen jedenfalls die meisten Beschwerden von Patienten. Die Bundesärztekammer stellt die genaue Fehlerstatistik am Dienstag in Berlin vor.

Ärztepfusch
Tatort OP: Hier geht einiges schief. -Foto: dpa

BerlinPatienten gehen zunehmend gegen möglichen Ärztepfusch vor. Die Zahl der entsprechenden Beschwerden bei Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Landesärztekammern stieg 2007 bundesweit um 1,5 Prozent auf 10.432, wie die Bundesärztekammer am Dienstag in Berlin mitteilte. Etwa jede vierte der im vergangenen Jahr bearbeiteten 7049 Beschwerdeanträge hatte demnach Erfolg: In 1717 Fällen kamen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass tatsächlich Behandlungsfehler oder mangelnde Risikoaufklärung zu Gesundheitsschäden geführt hatten.

Die häufigsten Behandlungsfehler gab es demnach in Kliniken bei der Hüftgelenkarthrose, in Arztpraxen beim Brustkrebs - unabhängig davon, ob die festgestellten Fehler einen Gesundheitsschaden verursachten. Am häufigsten beschwerten sich die Patienten der Statistik zufolge über angebliche Ärztefehler bei Operationen, bei Röntgenverfahren und der Therapie nach einem operativen Eingriff. Die meisten Entscheidungen trafen die Gutachter zu Vorwürfen von Patienten nach der Behandlung von Hüft- und Kniegelenkarthrosen.

Verbraucherschützer: "Nur die Spitze des Eisbergs"

Ziel der seit 1975 bei den Landesärztekammern eingerichteten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen ist die außergerichtliche Einigung zwischen Arzt und Patient. Wenn der Patient oder der Arzt mit der Entscheidung der Gremien nicht einverstanden ist, kann er den ordentlichen Rechtsweg beschreiten - eine Klage vor Gericht wird durch die Tätigkeit der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen also nicht ausgeschlossen.

Verbraucherschützer wiesen derweil darauf hin, dass die Behandlungsfehler-Statistik kein vollständiges Bild ergebe. "Was die Schlichtungsstellen veröffentlichen, ist nur die Spitze eines Eisberges", sagte der Gesundheitsexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Stefan Etgeton, der "Frankfurter Rundschau". Viele Behandlungsfehler würden gar nicht erst begutachtet, "weil es schwer ist, zweifelsfrei festzustellen, dass ein Fehler vorliegt". Auch berichteten viele Patienten, dass es "ganz schwierig" sei, unabhängige Gutachten zu bekommen. (ut/AFP)

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