Politik : Bundesgerichtshof will über Sterbehilfe entscheiden

02.06.2010 17:21 Uhr

Karlsruhe - Im Prozess um Grundsatzfragen der Sterbehilfe vor dem Bundesgerichtshof (BGH) stehen die Zeichen gut für den Angeklagten: Sowohl die Verteidigung als auch die Bundesanwaltschaft haben in der mündlichen Verhandlung am Mittwoch auf Freispruch plädiert. Der angeklagte Rechtsanwalt hatte seiner Mandantin geraten, den Schlauch der Magensonde durchzuschneiden, über den ihre im Koma liegende Mutter versorgt wurde. Ein Urteil soll am 25. Juni verkündet werden. Die Fragen der Richter in der Verhandlung ließen allerdings erkennen, dass sich der 2. Strafsenat des BGH noch keine einheitliche Meinung gebildet hat.

Das Landgericht Fulda hatte den Rechtsanwalt im April 2009 wegen versuchten Totschlags zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt.

Die Tochter wurde freigesprochen. Nachdem die Tochter den Schlauch durchgeschnitten hatte, wurde der Mutter gegen den Willen der Kinder eine neue Magensonde gelegt. Sie starb zwei Wochen später an Herzversagen. Die Frau war nach einem Hirnschlag 2002 ins Koma gefallen. Wenige Wochen zuvor hatte sie ihrer Tochter gesagt, dass sie keine Beatmung und keine künstliche Ernährung wolle, falls sie das Bewusstsein verlieren und pflegebedürftig werden sollte. Das Pflegeheim in Bad Hersfeld hatte sich jedoch geweigert, die künstliche Ernährung zu beenden.

Eine „gezielte aktive Tötung“ sei nicht zu rechtfertigen, auch wenn ein Patient es ausdrücklich wünsche, betonte die Vorsitzende Richterin des 2. Strafsenats des BGH, Ruth Rissing-van Saan. Tötung auf Verlangen ist nach dem Strafgesetzbuch verboten. Umstritten ist, ob das Durchschneiden des Schlauchs als aktive Tötungshandlung zu beurteilen ist oder lediglich als Beendigung einer lebensverlängernden Maßnahme.

„Das ist keine Tötungshandlung“, sagte der Verteidiger des Anwalts, Gunter Widmaier, in seinem Plädoyer. Auch der Vertreter der Anklage forderte einen Freispruch. Das Durchtrennen des Schlauchs habe dazu gedient, die Behandlung zu beenden. Dies sei nach dem Betreuungsrecht – das die Patientenverfügung regelt – gerechtfertigt. „Entscheidend ist der Wille des Patienten, unabhängig von Art und Stadium der Krankheit.“ dpa

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite