Bundeskanzler Ludwig Erhard : Symbolfigur ohne Parteiausweis

Der ehemalige Bundeskanzler, CDU-Vorsitzende und "Vater des Wirtschaftswunders", Ludwig Erhard, hat der CDU nach Recherchen der Bonner Ludwig-Erhard-Stiftung niemals angehört.

Bonn/Berlin - "Er war nie Mitglied der CDU", sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Horst Friedrich Wünsche. Er bestätigte damit einen Bericht des "Stern". Es gebe zwar eine vom CDU-Kreisverband Ulm ausgestellte Mitgliedskarte, entscheidend für die Parteizugehörigkeit sei aber die Beitrittserklärung, und die liege nicht vor, sagte Wünsche.

"Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich hauptberuflich mit Ludwig Erhard, und ich sage Ihnen: Erhard ist niemals einer Partei beigetreten", sagte Wünsche in einem Interview des Magazins. Auch Günter Buchstab, der als Leiter des wissenschaftlichen Dienstes der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung das Parteiarchiv der CDU verwaltet, bestätigte: "Die Mitgliedschaft lässt sich aktenmäßig nicht nachvollziehen." Seines Wissens habe Erhard an die CDU auch keine Beiträge gezahlt.

Parteiloser Vorsitzender

Im Archiv der Erhard-Stiftung befindet sich eine vom CDU-Kreisverband Ulm ausgestellte "Mitgliedskarte" Ludwig Erhards, die aber erst am 2. August 1968 ausgestellt und auf den 1. März 1949 rückdatiert worden war. Die Felder für die Beitragsmarken sind nicht beklebt. Mit dieser Karte, die Erhard erst nach seiner Amtszeit als Parteivorsitzender zugeschickt worden war und die dem "Stern" in Kopie vorliegt, sollte offenbar nachträglich eine Legende für seine durchgängige Parteizugehörigkeit geschaffen werden. Ein Parteivorsitzender ohne gültige Mitgliedschaft wäre ein Kuriosum in der deutschen Parteiengeschichte.

Erhard (1897 bis 1977) war auch als Architekt der Sozialen Marktwirtschaft eine der Symbolfiguren der CDU in den Nachkriegsjahren. Er saß fast drei Jahrzehnte für die Christdemokraten im Bundestag und war von 1963 bis 1966 Bundeskanzler. Erhard führte die Partei sogar von 1966 bis 1967 als Vorsitzender und war bis zu seinem Tod 1977 Ehrenvorsitzender. (tso/dpa/AFP)

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