Politik : Bundesliga: Clement verteidigt Staatsbürgschaft für Bundesliga-Clubs

Die Pläne von Bund und einigen Ländern, der Fußball-Bundesliga im Falle einer Insolvenz der Kirch-Gruppe mit einer Bürgschaft unter die Arme zu greifen, haben zu heftigem Streit geführt. Ohne Hilfe der öffentlichen Hand stehe möglicherweise der Fußballsport in Deutschland vor dem Aus, rechtfertigte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) das Angebot. Wenn die Gelder der Kirch-Gruppe ausfielen, sei eine Reihe von Clubs nicht mehr existenzfähig. Bund und Länder wollten deshalb für eine Übergangszeit von sechs Monaten die Liquidität der Vereine sichern. Hessen ist nach den Worten von Regierungssprecher Dirk Metz gesprächsbereit. "Auch wir wollen nicht, dass der Konkurs eines Unternehmens wie Kirch zu einem Zusammenbruch der Bundesligisten führt."

Willi Lemke, SPD-Bildungssenator in Bremen und Ex-Manager des Bundesligaclubs SV Werder, hält die Bürgschaften dagegen für "ein völlig falsches Signal". Man könne "keinem Fan, keinem Arbeitslosen, keinem Sozialhilfeempfänger klar machen, warum der Staat dafür eintritt, wenn sich ein Fernsehmogul offensichtlich übernommen hat", sagte er dem Tagesspiegel. Der Sprecher des Berliner Finanzsenators sagte, an den Senat sei noch kein Ansinnen herangetragen worden, mit einer Bürgschaft auszuhelfen. Ein solches würde selbstverständlich geprüft. Allerdings müsse man dann die finanzielle Lage Berlins berücksichtigen. Der Stuttgarter Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) hält Bürgschaften für abwegig. "Das ist eine typische Wahlkampf-Schnapsidee. So lange Multimillionäre auf der Bank sitzen, haben die Vereine Einsparmöglichkeiten genug". Sachsens Kulturminister Matthias Rößler (CDU) erklärte: "Es kann nicht sein, dass wir nun den Profis das Geld für ihre Spitzengehälter hinterherwerfen." Die Vereine wollten immer unternehmerisch tätig sein, dann sollten sie in dieser Situation auch ohne Netz und doppelten Boden auskommen.

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Uli Hoeneß, Manager von Bayern München, hält "Gelder aus dem Steuerbereich für fragwürdig". Bei einer Kirch-Pleite würden "die öffentlich-rechtlichen Sender einspringen müssen". Gerd Niebaum, Präsident von Borussia Dortmund, verwies darauf, dass es sich lediglich um ein Sicherungsmittel handele, um kurzfristige Probleme zu überbrücken.

Bei den Spielern von Hertha BSC ist die drohende Kirch-Pleite seit geraumer Zeit ein Thema, weil Gehaltseinbußen drohen. Stefan Beinlich, einer der bestverdienenden Spieler beim Berliner Bundesligisten und noch bis zum kommenden Jahr unter Vertrag, würde bei einer Vertragsverlängerung "über Einbußen mit sich reden lassen". Beinlich: "Die Gehaltsspirale ist doch längst überdreht. So kann es nicht weitergehen."

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