Politik : Bundespräsident zu Besuch bei der Bundeswehr und Entwicklungshelfern im Kosovo

Claudia Lepping

Bundespräsident Johannes Rau hat den deutschen Soldaten im Kosovo Weihnachtsgrüße aus der Heimat überbracht. In Begleitung seiner Frau Christina und Generalinspekteur Hans-Peter von Kirchbach informierte Rau sich am Stützpunkt Prizren bei einem Mittagessen mit den Bundeswehrsoldaten über die Lage im Kosovo.

Der Bundespräsident sagte zu den deutschen Soldaten der UN-Friedenstruppe KFOR: "Ich möchte ein Zeichen der Ermutigung setzen. Der Dienst für den Frieden ist unverzichtbar." Den NATO-Einsatz gegen Jugoslawien habe er "mit zerrissenem Herzen" verfolgt; heute wolle er vor allem den deutschen Soldaten zuhören und sich über ihre Erfahrung informieren. Der Einsatz der deutschen Einheiten im Kosovo ist erst jüngst von vier auf sechs Monate verlängert worden. "Vor allem junge Familien sind dadurch über Weihnachten und Silvester erheblich belastet", betonte Rau. Sein Besuch solle Zeichen der Verbundenheit sein.

Der UN-Sonderbeauftragte für das Kosovo, Bernard Kouchner, berichtete im Gespräch mit Rau von den weiterhin starken Hassgefühlen zwischen Albanern und Serben. Ohne fremde Truppen, so befürchten Kenner der verworrenen Lage, bräche sofort wieder das Chaos aus. Die Umsetzung des militärischen Teils des Friedensabkommens über Kosovo gelingt besser als der Aufbau zivil-gesellschaftlicher, demokratischer Strukturen für die zerstrittenen Volksgruppen der Kosovo-Albaner und Serben. Dies bestätigte auch Kouchners Stellvertreter, der frühere Frankfurter Stadtkämmerer Tom Koenigs. So machte sich der Bundespräsident auch ein Bild von der Polizeieinheit Unitz, die künftig die öffentliche Ordnung gewährleisten soll. Bislang hat die KFOR sämtliche Aufgaben der Sicherheit übernommen. Die Sicherheitslage ist aber nach wie vor gespannt. Zwar habe sich das Klima seit Kriegsende, am 10. Juni, mit der Stationierung von KFOR zwei Wochen später beruhigt. Die Gewalt zwischen Albanern und Serben jedoch fordert fast täglich neue Opfer.

Rau sprach in Prizren auch mit Vertretern deutscher Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Christina Rau, die Schirmherrin des Deutschen Komitees für das UN-Kinderhilfswerk ist, besuchte derweil Unicef-Projekte, die versuchen, die verfeindeten Volksgruppen zu versöhnen.In Prizren hat Unicef eine dreisprachige Schule eingerichtet, in der Lehrer zur mehrsprachigen Erziehung ausgebildet werden. Darüber hinaus lernen die Pädagogen, wie sie mit traumatisierten Kindern arbeiten und helfen können, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Am Abend war der Weiterflug nach Sarajevo und ein Besuch beim deutschen Kontingent der dortigen Friedenstruppe SFOR vorgesehen. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wollte der Bundespräsident am Dienstagabend mit den drei Kopräsidenten des Landes sprechen. Die Belgrader Regierung hat unterdessen Deutschland beschuldigt, die Souveränität Jugoslawiens zu missachten. Die amtliche jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug schrieb am Dienstag, Bundespräsident Rau sei "auf Umwegen" und ohne sich in Belgrad anzumelden ins Kosovo gereist.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben