Bundespräsidenten-Wahl : Schwan kann bei der Linken nicht punkten

Auf eine Empfehlung von Oskar Lafontaine für die Wahlen zum Bundespräsidenten im Mai kann Gesine Schwan nicht hoffen – auch nicht für einen möglichen dritten Urnengang.

Cordula Eubel

Berlin - Der Fraktionschef der Linken begleitet die von der SPD nominierte Kandidatin noch nicht einmal vor die Kameras, nachdem sie am Dienstagnachmittag die Bundestagsfraktion besucht hat. Diese Aufgabe übernimmt Co-Fraktionschef Gregor Gysi. Der lobt Schwan nach der gut einstündigen Debatte mit den Abgeordneten als „sehr eigenständige Persönlichkeit“. Und verweist zugleich darauf, dass die Linke mit dem Schauspieler Peter Sodann einen eigenen Kandidaten habe. Ob die gut 90 Vertreter der Linken in der Bundesversammlung in einem dritten Wahlgang, in dem eine einfache Mehrheit der Stimmen reicht, Schwan unterstützen würden, lässt Gysi bewusst offen: „Das werden wir zu gegebener Zeit beraten.“

Auch wenn Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau sagt, Schwan sei „werbend, aber nicht anbiedernd“ gewesen, so berichten Teilnehmer der Sitzung doch von einer distanzierten Atmosphäre. Bei den Linken hatte Schwan sich unbeliebt gemacht, als sie Lafontaine als Demagogen bezeichnete. Den Begriff nahm sie später zurück, wiederholte aber, Lafontaine bediene sich demagogischer Methoden. „Daran hat sich nichts geändert“, bekräftigt sie auch nach dem Treffen. Lafontaine, so berichtet Gysi, habe geantwortet, er sei deswegen nicht beleidigt.

Wenn Schwan überhaupt eine Chance gegen Amtsinhaber Horst Köhler haben will, ist sie auch auf die Unterstützung der Linken angewiesen. Im Jahr der Bundestagswahlen will Lafontaine aber ein Signal für ein Linksbündnis vermeiden. Intern wird damit gerechnet, dass die Linken in einem dritten Wahlgang – der ohnehin als unwahrscheinlich eingestuft wird – nicht geschlossen für Schwan votieren würden. Für Kritik sorgte außerdem, dass die SPD-Führung nicht das Gespräch mit der Linken über Schwans Kandidatur suchte. Wenn die SPD diese ernst nehmen würde, hätte es sich gehört, um jede Stimme zu werben, sagte Fraktionsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann. Cordula Eubel

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