Bundespräsidentenkandidatin Luc Jochimsen : Linke Berufung

Sie also soll für die Linkspartei die „Frau der Zukunft“ werden: Luc Jochimsen, 74 Jahre alt, früher Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks, heute Bundestagsabgeordnete der Linken, ist am Dienstag von ihrer Partei zur Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten nominiert worden.

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Einstimmig, wie der Chef der Bundestagsfraktion Gregor Gysi betont. Die studierte Soziologin ist damit die dritte Kandidatin, die überhaupt von der Linken und deren Vorgängerpartei PDS ins Rennen geschickt wird. 2009 kandidierte der frühere Tatort-Kommissar Peter Sodann, 1999 die Theologie-Professorin Uta Ranke-Heinemann.

„Ich bin Außenseitertum gewohnt, deshalb bin ich für diese Kandidatur gewappnet“, sagt Jochimsen bei ihrer Vorstellung. Als „Kriegskind“, 1936 in Nürnberg geboren und in Frankfurt am Main aufgewachsen, sei Frieden für sie ein Lebensthema geworden. Bei der Bundestagswahl 2002 trat Jochimsen für die damalige PDS in Hessen als Spitzenkandidatin an – aussichtslos. Im Jahr 2005 schließlich gelang der kulturpolitischen Sprecherin der Fraktion über die Landesliste Thüringen der Einzug ins Parlament.

Bis zuletzt hatten Gysi und die beiden Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst ihre Kandidatin geheim gehalten, die meisten Genossen wurden am Dienstag überrascht, manch einer fühlte sich überrumpelt. Gysi lobt überschwänglich, Jochimsen sei eine „in jeder Hinsicht höchst geeignete Frau für das Amt“ – wegen ihres Kampfes „für politische und soziale Freiheit“, aber auch, weil sie als Chefredakteurin gelernt habe, Sendungen für sämtliche Zuschauer zu machen. So jemand sei auch geeignet, Bundespräsidentin für alle Bürger zu sein.

Eine Fähigkeit, die viele Linken-Politiker dem rot-grünen Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck absprechen: Der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde habe sicher „seine Verdienste“, sagt Parteichef Ernst, aber in seinen politischen Positionen sei er doch „eher rückwärts gewandt“. Lötzsch hatte es vor einigen Tagen ähnlich formuliert: „ein Mann der Vergangenheit“.

Auch für Gysi ist der frühere DDR- Bürgerrechtler Gauck „nicht wählbar“, das gelte für alle Wahlgänge. Gauck sei „nicht einmal im Ansatz ein Linker“, er habe von ihm noch keinen Satz gehört zu Afghanistan, Hartz IV, zur Rente mit 67 oder zum Sparpaket, klagt Gysi. Das wird bei Jochimsen anders sein: Sie versichert, sie wolle „Schirmherrin für die Schwachen und Benachteiligten“ sein. Cordula Eubel

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