Bundesregierung : Der Spielmacher geht

Für Franz Müntefering ist es der letzte Tag in der Regierungsmannschaft. Kanzlerin Merkel drückte dem Sozialdemokraten zum Abschied einen Fußball in die Hand. Er will auch in Zukunft wissen, wie die Große Koalition "das Runde in das Eckige" bringt.

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Nicht mehr aufgestellt: Franz Müntefering verlässt die Regierungsmannschaft. -Foto: dpa

BerlinMüntefering war ziemlich genau zwei Jahre als Arbeitsminister im Amt. Bundeskanzlerin Angela Merkel bedankte sich zu Beginn der Sitzung bei ihrem bisherigen Stellvertreter "ganz, ganz herzlich" und überreichte Müntefering einen roten Fußball mit schwarzen Punkten. "Sie sind einer der Architekten dieser großen Koalition", sagte Merkel. Dies sei ein besonderer Tag, "an dem wir Demut haben". "Für dieses Land ist eine Menge auf den Weg gebracht, das ist Ihnen zu verdanken", sagte die Kanzlerin. Manchmal hätten sie beide sich zwar auch gekabbelt, aber das gehöre dazu.

Der Arbeitsminister hatte seinen Rücktritt vor einer Woche mit der schweren Erkrankung seiner Frau begründet. Merkel wünschte Müntefering "alles Gute auf den weiteren Wegen". Sie hoffe, dass er künftig "ein bisschen Freude habe". Den weiteren Lebensweg von Müntefering sieht sie allerdings noch nicht ohne Politik, weil der SPD-Mann im Bundestag bleiben will.

Der 67-Jährige bedankte sich sehr für den Ball, der mehr rot als schwarz war. "Der Ball ist rund, das Tor ist eckig - und wie kommt das Runde in das Eckige? Das ist die Frage, die wir miteinander zu klären haben", sagte er. Auf die Koalition ging Müntefering nicht direkt ein. Er dribbelte zur Überraschung aller anschließend mit dem Fußball. Das Kabinett klatschte. Merkel wünschte danach Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zum 65. Geburtstag alles Gute. Sie ist die Dienstälteste im Kabinett.

Merkel traf Müntefering vor der Kabinettssitzung zum letzten Mal zur vertraulichen Abstimmung unter vier Augen. Auf der Tagesordnung der Ministerrunde stand unter anderem ein Bericht zur Rentenversicherung. Der Rückzug von Müntefering war parteiübergreifend mit Bedauern aufgenommen worden. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) sagte, "leider" gehe Müntefering. Er sei "knorrig, aber gut verträglich" gewesen. Seehofer sagte der "Westdeutschen Zeitung", CSU-Chef Erwin Huber und der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sollten am Kabinettstisch sitzen.

Scholz zum Nachfolger ernannt

Bundespräsident Horst Köhler verabschiedete Müntefering offiziell und überreichte ihm die Entlassungsurkunde. "Sie werden mir fehlen", sagte Köhler im Schloss Bellevue in Berlin. Der Bundespräsident dankte Müntefering im Beisein von Bundeskanzlerin Merkel für dessen Arbeit. "Für die dem deutschen Volke geleisteten treuen Dienste spreche ich ihm Dank und Anerkennung aus", sagte Köhler und zitierte damit aus der Entlassungsurkunde. Merkel hatte den bisherigen Vizekanzler zuvor im Kabinett verabschiedet.

Der Bundespräsident überreichte Münteferings Nachfolger Olaf Scholz anschließend die Ernennungsurkunde zum neuen Arbeitsminister. Der Arbeitsrechtler Scholz war zuvor Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Münteferings Amt als Stellvertreter von Kanzlerin Merkel nimmt künftig Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wahr. SPD-Chef Kurt Beck gratulierte Scholz schriftlich und wünschte ihm "Kraft, Augenmaß, Durchsetzungsvermögen sowie das nötige Quäntchen Glück". (mit dpa)

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