Politik : Bundesregierung will Praxen von Bürokratie entlasten

Ingo Bach

Berlin - Kurz vor dem bundesweiten Protesttag von tausenden niedergelassenen Ärzte am Freitag in Berlin signalisiert die Bundesregierung Verständnis für Sorgen der Mediziner. Um die oft kritisierte überflüssige Bürokratie in den Praxen zu reduzieren, hat jetzt Marion CaspersMerk, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ärztevertreter zu einem Runden Tisch eingeladen. Dieser soll bis zum 1. Juli Vorschläge erarbeiten. Dazu zähle zum Beispiel eine Vereinheitlichung der Dokumentationen für die Chronikerprogramme, sagte Caspers-Merk dem Tagesspiegel. Solche Behandlungspläne haben Kassen beispielsweise für Diabetes, Herzerkrankungen oder Brustkrebs mit Ärzteverbänden vereinbart. „Dafür brauchen wir verbindliche Standards, denn die Programme sind nicht als Wettbewerbsinstrument für einzelne Kassen gedacht, sondern als Verbesserung der medizinischen Versorgung“, sagte Caspers-Merk.

Tatsächlich stöhnen die Ärzte darunter, dass sie immer mehr Dokumentationen anlegen, Berichte für die Krankenkassen verfassen oder Gutachten erstellen müssen. „20 Prozent der Arbeitszeit gehen allein dafür drauf und fehlen dann den Patienten“, sagte Wolfgang Kreischer, Berliner Landeschef des Berufsverbandes der Allgemeinärzte. Deshalb sei eine der Forderungen der protestierenden Mediziner auch der Bürokratie-Abbau. „Schön, dass die Politik das endlich anerkennt.“

Die Ärzte gehen am Freitag auch gegen das Arzneispargesetz auf die Straße, das am 1. April in Kraft treten sollte, derzeit aber im Bundesrat festhängt. Darin ist eine Regel enthalten, nach der Ärzte mit Honorarabschlägen bestraft werden, wenn sie mit ihren Verordnungen über einer Obergrenze liegen. Bleiben sie darunter, sollen sie Prämien erhalten. Diese Bonus-Malus-Regel führe zu einer Unterversorgung der Patienten, kritisieren Mediziner. „Für eine solche Kritik gibt es keinen Anlass. Die Menge der verordneten Arzneimittel ist nach unserer Regelung nicht begrenzt“, sagt Caspers-Merk. Dies sei ein Instrument, um eine wirtschaftlichere Arzneiverordnung zu erreichen. Außerdem sei der Malus entschärft worden: Statt bei einer Fünf-Prozent-Überschreitung der Ausgabengrenze greife der nun erst bei zehn Prozent. „Und der Bonus für die Unterschreitung kommt nicht einzelnen Ärzten zugute sondern der gesamten Ärztegruppe.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben