Bundestag : Neue Initiative zur Spätabtreibung

Mehr Pflichten für Ärzte wollen Politiker der SPD und den Grünen und stellen deshalb eigene Anträge zum Thema Spätabtreibungen. Behindertes Leben soll als gleichwertig akzeptiert werden und der Arzt für Termine bei einer Beratungsstelle sorgen.

BerlinBei der von der Koalition geplanten gesetzlichen Neuregelung im Falle sogenannter Spätabtreibungen zeichnet sich mindestens ein weiterer Gruppenantrag im Bundestag ab. Dabei gehe es um begrenzte Änderungen am Schwangerschaftskonfliktgesetz, sagte die SPD-Familienpolitikerin Kerstin Griese am Mittwoch. "Ich will erreichen, dass Ärzte verpflichtet sind, behindertes Leben als gleichwertig zu akzeptieren, und für optimale Hilfen zu sorgen. Jeder Frau soll innerhalb einer dreitägigen Frist eine qualifizierte psychosoziale Beratung garantiert werden", sagte Griese. Voraussetzung für eine Spätabtreibung ist eine Gefahr für den körperlichen und seelischen Zustand der Mutter. In der Praxis geht es aber meist um Fälle, in denen eine schwere Behinderung des Kindes droht. 2007 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 229 Schwangerschaften nach der 22. Woche abgebrochen.

Auch die Grünen prüfen einen eigenen Antrag. "Der Arzt sollte verpflichtet werden, einen Termin bei einer Beratungsstelle zu vermitteln", sagte der Grünen- Abgeordnete Thilo Hoppe dem Tagesspiegel. Ein von der Unionsfraktion Anfang der Woche eingebrachter Antrag enthalte "viel Lebensschutz-Rhetorik“, gehe aber "im konkreten Fall nicht weit genug", sagte Hoppe und verwies auf Fälle, in denen Ärzte aus Angst vor Regressansprüchen die Abtreibung empfehlen. "Im Zweifel geben viele lieber die Diagnose aus, das Kind ist behindert". Der Bundestag wird voraussichtlich in der zweiten Dezemberhälfte über die geplante Neuregelung beraten. SB

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