Politik : Bundestags-Wahlkampf: Grüner Vernetzer

Matthias Meisner / Reiner Ruf

Die erste Jubelarie bekam Rudi Hoogvliet aus Holland zu hören. "Nederländer moet Grünen redden" - ein Niederländer möchte die Grünen retten, schrieb die Zeitung "De Gelderländer". Und berichtete, dass Landsmann Hoogvliet, 43 Jahre alt und seit acht Jahren Berater der baden-württembergischen Grünen-Landtagsfraktion, den Wahlkampf der Bundespartei managen wird. Wieder einmal einer also aus dem deutschen Südwesten, der "Kraamkamer" von Grünen-Talenten, wie der "Gelderländer" notierte.

Seit fast 20 Jahren lebt Rudi Hoogvliet in Deutschland. Er war aktiv in der Friedensbewegung. Die legendäre Menschenkette 1983 von Stuttgart über die Schwäbische Alb bis nach Ulm hat er mit organisiert. Nun wird er von Mitte September an Manager des Bundestagswahlkampfes, bei dem es für seine Partei um viel bis alles geht. Seitdem die Grünen an der Regierung beteiligt sind, haben sie jede Landtagswahl verloren. Hoogvliet, gerufen von Bundesgeschäftsführer Reinhard Bütikofer und dem ihm lange vertrauten Parteichef Fritz Kuhn, weiß um die "spannende Herausforderung", die ihm in Berlin bevorsteht.

Zunächst wird Hoogvliet die organisatorischen Voraussetzungen für den Wahlkampf treffen. Die Grünen-Ministerien, Fraktion und Partei vernetzen - dafür sorgen, "dass alle an einem Strang ziehen". Es wird kein leichter Wahlkampf für die Grünen. Viele der Anhänger sind enttäuscht, dass längst nicht alle Träume in Erfüllung gegangen sind. Anders als etwa der Union mit den Wirtschaftsverbänden oder der SPD mit den Gewerkschaften fehlt es den Grünen an außerparlamentarischen Unterstützern. Das Verhältnis der Grünen zu den Umweltverbänden sei "sehr lebendig", sagt Hoogvliet. "Die sollten sich in Wahlkampfzeiten überlegen, was unter einer anderen Regierungskoalition gekommen wäre." Atomausstieg oder die Förderung erneuerbarer Energien, "zarte Pflänzchen" seien das, "die eine zweite rot-grüne Legislaturperiode brauchen".

Doch Hoogvliet verbreitet zugleich professionelle Zuversicht. Zwar seien nur 30 Prozent der Bevölkerung bundespolitisch ansprechbar auf grüne Themen. Es gehe darum, die Wähler, die eine emotionale Bindung zur Partei haben, an die Urne zu bringen. "Wir haben 1998 unser Potenzial nicht ausgeschöpft", sagt der Wahlkampfmanager.

Auch wenn Hoogvliet selbst die Grünen als Programmpartei zuweilen "fast altmodisch" vorkommen, gelernt hätten die Parteimitglieder doch. Etwa, dass es im Wahlkampf auf einfache Botschaften ankommt und auch auf Personality-Aktionen nicht verzichtet werden kann. Eines der Paradebeispiele dafür hat Hoogvliet selbst mit organisiert, als 1996 der heutige Chef der Bundestagsfraktion, Rezzo Schlauch, Oberbürgermeister in Stuttgart werden wollte. In der heißen Wahlkampfphase prangte nur noch "Rezzo" auf den Plakaten. Flexibel sein, darauf komme es an, sagt Hoogvliet. Und fügt hinzu: "Wir sind es gewohnt zu improvisieren. Das macht es wieder einfacher."

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