Bundestagskandidaten : Die drei Merkels

Der Name ist nicht gerade häufig - doch unter den Bundestagskandidaten sind neben der Kanzlerin noch zwei weitere Merkels. Wie lebt es sich als Politiker mit diesem Nachnamen?

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Die Bundeskanzlerin - nicht die einzige Merkel im Wahlkampf.
Die Bundeskanzlerin - nicht die einzige Merkel im Wahlkampf.Foto: dpa

Wenn sich der Politiker Christoph Merkel am Infostand oder anderswo vorstellt, schauen die Leute oft irritiert. Dann sagt er: „Erstens ja und zweitens nein“. Die meisten wissen nicht, was er meint und so präzisiert Merkel: „Ja, Merkel wie die die Kanzlerin. Nein, nicht verwandt oder verschwägert.“ Das sei ein guter Eisbrecher, findet er. Manchmal macht er sich auch einen Spaß daraus, die Kanzlerin Angela Dorothea Kasner zu nennen, ihr Mädchenname. Damit gleich klar ist, dass sie nicht mit ihm verwandt ist.

Gleich drei Merkels werden in diesem Jahr zur Bundestagswahl antreten: Neben der Bundeskanzlerin und Christoph Merkel, der in Niedersachsen für die AfD Direktkandidat ist, gibt es auch noch einen FDP-Landeslistenkandidaten in Rheinland-Pfalz namens Merkel. Auch wenn die drei bis auf ihren Nachnamen nichts gemeinsam haben, will man es nun doch genau wissen: Wer verbirgt sich hinter den beiden unbekannten Merkels?

Der FDP-Mann Gregor Merkel ist seit 2013 in der Partei - als es für die Liberalen in den Umfragen abwärts ging, wollte er dem Trend etwas entgegensetzen und trat ein. Im vergangenen Jahr trat der Wirtschaftsprüfer als Direktkandidat in Rheinland-Pfalz an und holte das zweitbeste Erststimmenergebnis seiner Partei. Was bei der FDP natürlich nicht heißt, dass der heute 35-Jährige in den Landtag eingezogen wäre. „Da hat auch der Name nichts genutzt.“

„Merkel kommt“ - der von der FDP

Versucht hat er es aber schon. Als im Landtagswahlkampf die CDU Plakate aufhängte „Merkel kommt“, um Veranstaltungen mit der Kanzlerin anzukündigen, hängte auch er Plakate auf mit „Merkel kommt“. Aber eben der FDP-Merkel. Für Smalltalk am Infostand sei der Nachname ebenfalls eine gute Sache. Auf die Frage, ob er mit der Kanzlerin verwandt sei, verweist Gregor Merkel dann immer darauf, dass die Kanzlerin Merkel ja nicht mit diesem Namen geboren wurde, sondern dass er vielmehr aus ihrer ersten, geschiedenen Ehe stammt. Seit etwa zwei Jahren - das ist die Beobachtung des FDP-Manns in diesen Gesprächen - setzten sich die Leute allerdings kritischer mit Angela Merkel auseinander. Unfreundlich sei zu ihm aber deshalb niemand.

Der FDP-Politiker Gregor Merkel.
Der FDP-Politiker Gregor Merkel.Foto: Steffi Schmall

Einer dieser Merkel-Kritiker ist Christoph Merkel von der AfD. Eine Partei, deren Anhänger bei Demonstrationen „Merkel muss weg“ skandieren und die die Kanzlerin zu ihrer Lieblingsfeindin auserkoren haben. Christoph Merkel ist 30 Jahre alt und seit 2016 in der AfD, weil er mit deren Bundesparteiprogramm „sehr sehr weitgehende Überschneidungen“ mit seinen Ansichten festgestellt hatte. Er ist wie viele andere in seiner Partei der Meinung, das Verhalten der Regierung bei der Euro-Rettung sei nicht rechtens gewesen. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich das politische Tagesgeschäft nicht vollständig der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet zu fühlen scheint“, sagt er. Das ist so ein typischer Christoph-Merkel-Satz, in seinem Duktus wahrscheinlich Merkels Jura-Studium geschuldet.

Merkel sieht die direkte Demokratie als Instrument, um politische Fehlentscheidungen zu korrigieren. Das hat ihn dann auch an der AfD fasziniert, die eine direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild fordert. „Das Ausbleiben von Volksentscheiden in Deutschland zu relevanten Fragen ist unter demokratischen Gesichtspunkten ein schlicht inakzeptabler Zustand“, sagt er. In der AfD hat er sich zunächst als einfaches Mitglied engagiert, nun sei er Direktkandidat im Wahlkreis Unterems in Niedersachsen und koordiniert den Wahlkampf im Kreisverband.

Wenn sich die Parteifreunde einen Scherz erlauben

Wenn man sich jetzt aber vorstellt, dass Christoph Merkel auf Demos mitläuft, auf denen „Merkel muss weg“ skandiert wird, liegt man daneben. Das hat er noch nicht erlebt. „Gewisse Parteifreunde erlauben sich den Scherz, diese Parole zu skandieren, wenn ich in Hörweite bin, um so eine Auflockerung der Stimmung erreichen.“

Dass es demnächst im Bundestag zu Namensverwechslungen kommt, ist allerdings nicht zu befürchten. Dass Christoph Merkel für die AfD das Direktmandat in seinem Wahlkreis holt und Gregor Merkel mit Listenplatz 18 in Rheinland-Pfalz ein Bundestagsmandat bekommt, ist zumindest nicht sehr wahrscheinlich.

Foto: Data Science and Stories

Hier gelangen Sie zu unserer Kandidatenbank, in der Sie neben den drei Merkels alle anderen Kandidaten der Parteien finden, die voraussichtlich in den Bundestag einziehen.

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