Pflegenotstand

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Bundestagswahl : 10 Probleme, die jede Regierung anpacken muss
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Ein Bewohner eines Altenpflegeheims sitzt in seinem Rollstuhl.
Ein Bewohner eines Altenpflegeheims sitzt in seinem Rollstuhl.Foto: dpa

10. Wohin mit Oma - die Pflegemisere

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, und immer weniger von ihnen haben Angehörige, die sich um sie kümmern können – weil sie kinderlos geblieben sind, die Familienmitglieder zu stark im Beruf eingespannt sind oder zu weit entfernt leben. Von den Profis in Heimen und ambulanten Diensten werden sie oft schlecht betreut, die Einrichtungen suchen händeringend nach Pflegekräften, die vorhandenen sind überfordert oder wegen mieser Arbeitsbedingungen frustriert.

Und weil der Pflege-Tüv kaum etwas über die wirklichen Zustände in den Heimen verrät, fehlt es Betroffenen auch an verlässlicher Information. 90 Prozent der Deutschen wünschen sich bessere Auskünfte, mehr als 60 Prozent ängstigt der Personalmangel, jeder Zweite rechnet damit, im Alter keine passende Hilfe zu finden. Doch die Politik kommt mit einem neuen Bewertungssystem frühestens 2019 zu Potte. Gleichzeitig steigen die Heimzuzahlungen, auch ambulant bleibt vieles unerschwinglich. Für die Pflege zuhause wissen sich viele nur noch mit osteuropäischen Billiganbietern zu helfen.

Gestritten wird vor allem um die Finanzierung. SPD, Grüne und Linke wollen eine Bürgerversicherung auch für die Pflege, Union und FDP sind dagegen. Ansonsten wünschen sich im Prinzip alle mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, mehr Hilfe für pflegende Angehörige. Auf verbindliche Personalschlüssel und bessere Bezahlung von Pflegeprofis pochen Grüne, SPD und Linke. Erstere fordern auch, dass der Pflege-Tüv „sehr grundlegend reformiert“ wird, und verlangen ein unabhängiges Qualitätsinstitut.

Die SPD verspricht denen, die ihren Job wegen der Pflege von Angehörigen länger als drei Monate reduzieren, 150 Euro im Monat. Die Linke will den Ausbau der bisherigen Teilkasko- zur Vollversicherung, einen Pflegemindestlohn von 14,50 Euro und für Heimbewohner eine gesetzliche „Mindeststundenanzahl an menschlichem Kontakt“. Die FDP setzt auf stärkeren Einsatz von IT-Lösungen und Assistenzsystemen. Und die CDU möchte Kinder von Pflegebedürftigen erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro zur Kasse bitten.

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