Bundestagswahl : Würziger Wahlkampf

Die Parteien flankieren ihre Kampagnen zur Bundestagswahl mit großen und kleinen Geschenken ans Volk. Dabei werben sie vor allem mit Gebrauchsgegenständen um Wählers Gunst - und mit allerlei Kuriositäten.

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Manchmal auch nützlich: Kleine Geschenke sollen die Aufmerksamkeit der Wähler erhöhen.
Manchmal auch nützlich: Kleine Geschenke sollen die Aufmerksamkeit der Wähler erhöhen.Foto: dpa

Berlin - Wahlplakate, bedruckte Kugelschreiber und Broschüren? Ja, auch die gibt es in diesem Wahlkampf. Aber im Jahr 2013 setzen die Parteien längst nicht mehr nur auf die Werbungsklassiker, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Sozialdemokraten beispielsweise bringen bei ihrer Kampagne für die Bundestagswahl vor allem Gebrauchsgegenstände an den potentiellen Wähler - von der Thermoskanne mit SPD-Aufdruck über einen Toaster, der das Parteilogo ins Brot brennt, die SPD-Badeente bis hin zur SPD-Fahrradklingel. Seit geraumer Zeit sind außerdem Flaschenöffner mit einer kleinen Modell-Fahrradkette im Umlauf, die mit den Worten "Hätte, hätte Fahrradkette" des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück bedruckt sind. Sogar rotes Saatgut haben die Sozialdemokraten im Köcher: Die Samen für rotes Basilikum können SPD-Anhänger im Onlineshop der Partei kaufen.

CDU-Salz für's Grillgut

Auch die CDU ist im Wahlkampf auf den Geschmack gekommen: Sie bietet im Internet CDU-Grillsalz zum Kauf an. Im Onlineshop der Konservativen finden sich außerdem ein Teddybär, ein schwarz-rot goldener Papierhut und Flip Flops, die Schritt für Schritt den CDU-Schriftzug in den Untergrund prägen. Nicht unbedingt etwas für die eher schnell fröstelnde Klientel der Senioren-Union: Die bietet daher einfach Fleecejacken und juvenile Baseball-Kappen in schwarz - die Frauen-Union setzt dagegen auf lila. Für sportliche Konservative gibt es den CDU-Ball in knalligem orange: "Immer am Ball bleiben", steht darauf.

Schön das alles, bleibt nur die Frage: Wozu? Wird einer zum SPD-Wähler, weil er eine Fliegenklatsche der Partei besitzt? Wählt ein Unentschlossener die Christdemokraten, weil ein Wahlkämpfer ihm ein CDU-Grillgewürzsalz in die Hand drückt? „Das wird definitiv nicht passieren“, sagt Marketingexperte Sascha Raithel von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dazu sei die persönliche Wahlentscheidung viel zu wichtig. Positive Gefühle könnten kleine Aufmerksamkeiten allerdings schon auslösen. Besonders, wenn sie lustig sind - wie einst, als die Grünen Kondome mit der Aufschrift „Guido verhüten“ verteilten. Darüber konnte ein FDP-Anhänger zwar eher nicht lachen, andere aber schon. „Man bestärkt bestehende Präferenzen für Parteien mit solchen Geschenken“, erklärt Raithel. Die Grünen etwa locken mit einem Ausstechförmchen in Sonnenblumenform und mit einem Stempel mit dem Aufdruck „Innen“ - um etwa aus Professoren auch Professorinnen zu machen. Sie bewerben das als „geschlechtergerechte Sprache zum Selbermachen“.

Für die Wähler sind auch Inhalte wichtig

Doch das Wahlvolk verlangt offenbar auch nach Inhalten. „Die stärkste Nachfrage gibt es bislang nach der Broschüre über Angela Merkel“, teilt die CDU-Bundesgeschäftsstelle mit. Mehr als eine Million seien schon verteilt. Natürlich könnte das auch am Preis liegen: 20 Euro kosten hundert Broschüren. Stolze 449 Euro werden für das CSU-Fahrrad mit weiß-blauen Karos fällig. Natürlich wird es nicht in Fußgängerzonen verteilt. „Das ist was für Parteimitglieder und Amtsinhaber, die sich hundertprozentig mit der Partei identifizieren“, sagt Marketingexperte Raithel. Auch ein Toaster, der Parteischriftzüge ins Brot brennt, sei eher eine kleine Belohnung für wirklich überzeugte Anhänger. „Viele würden zum Beispiel einen Kugelschreiber der Partei, die sie wählen, nicht nutzen - weil sie nicht wollen, dass andere sie damit sehen.“ Vermutlich kleidet auch nicht jeder, der sein Kreuz für die Linke setzt, seinen Nachwuchs in einen Strampler mit dem Slogan „Mit LINKS gemacht“. (mit dpa)

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