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Bundesverband Erneuerbare Energie : CDU-Mann für die Energiewende

Fritz Brickwedde soll den Branchenverband führen. Der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gilt als gut vernetzt. Die Lobbyisten der bisherigen Gewinner und der bisherigen Verlierer der Energiewende rüsten vor der Regierungsbildung politisch auf.

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Fritz Brickwedde hat vor seiner 22 Jahre währenden Arbeit als Chef der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für die niedersächsische Landesregierung von Ernst Albrecht (CDU) gesprochen. Das Foto zeigt ihn im Mai mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Baumwipfelpfad bei Prora.
Fritz Brickwedde hat vor seiner 22 Jahre währenden Arbeit als Chef der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für die niedersächsische...Foto: dpa

Der letzte von Fritz Brickwedde verantwortete Jahresbericht liest sich wie ein Bewerbungsschreiben: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat ihren Tätigkeitsbericht für 2012 mit dem Titel „Die Energiewende voranbringen“ versehen. Und ihr bisheriger Generalsekretär, Fritz Brickwedde, will das nun ganz persönlich tun. Der 65-Jährige wird nach Tagesspiegel-Informationen der neue Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), des Lobbyverbands für Wind, Solarenergie und Energie aus Biomasse. Der bisherige Präsident des Branchenverbands, Dietmar Schütz, tritt nicht wieder zur Wahl an. Der BEE will die Personalie allerdings erst im November bekannt geben.

Wie Schütz, der für die SPD jahrelang Oberbürgermeister in Oldenburg war, bevor er den erneuerbaren Energien eine Stimme geben wollte, kommt auch Brickwedde aus der Politik. Er war Sprecher der niedersächsischen Landesregierung unter dem Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) und ist selbst CDU-Mitglied. Er gilt als gut vernetzt mit den höchsten politischen Ebenen. 1991 wurde Brickwedde Generalsekretär der DBU, die mit dem Vermögen aus dem Verkauf der Salzgitter AG gegründet worden war. Er baute die Stiftung auf, die Hunderte von Energie- und Ressorceneffizienzprojekte in Unternehmen finanziell gefördert und so zur Marktreife gebracht hat. Zudem übernahm die DBU einen Teil der Naturschutzflächen, die entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze sowie auf Truppenübungsplätzen und anderen vereinigungsbedingten Liegenschaften entstanden sind. Als Verfechter erneuerbarer Energien ist Brickwedde bisher nicht in Erscheinung getreten.

Die Personalie illustriert jedoch, wie die Branchenverbände auf beiden Seiten der Energiewende – die bisherigen Gewinner und die bisherigen Verlierer – mit Blick auf die Koalitionsgespräche und die Verhandlungen über die mittelfristigen Klimaziele auf europäischer Ebene politisch aufrüsten. Zehn große Energiekonzerne haben sich erst in der vergangenen Woche zusammengetan, um vor allem ein neues Ausbauziel für erneuerbare Energien auf EU-Ebene zu verhindern. Die arbeitgebernahe Initiative Soziale Marktwirtschaft wiederum hat eine millionenschwere Kampagne gestartet, um vor allem die Förderung erneuerbarer Energien zu beenden, aber noch weitere wirtschaftsnahe Reformen einzufordern. Aus SPD-Kreisen heißt es allerdings, dass Themen wie die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes oder des künftigen Strommarkts bei Koalitionsverhandlungen, sollten sie denn stattfinden, eher allgemein abgehandelt werden dürften. Die Details seien den Verhandlungschefs einfach zu kompliziert.

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