Politik : Bundesverdienstkreuz? Nein, danke!

Der schwedische Botschafter gibt deutsche Auszeichnung zurück

Sven Lemkemeyer

Er gilt als schillernde und alles andere als unumstrittene Figur. Carl Tham, der schwedische Botschafter in Berlin, hat durch seine politischen Aussagen schon einige Mal für Aufsehen in der diplomatischen Welt und im Außenministerium in Stockholm für Kopfschütteln gesorgt. So unterzeichnete der 64-Jährige Anfang 2003 einen Boykottaufruf für Güter aus israelisch besetzen Gebieten und forderte, dass die EU das Handelsabkommen mit Israel kündigen solle. Und während sein Regierungschef Göran Persson sich massiv dafür einsetzt, dass sich die Schweden beim Referendum am 14. September für den Beitritt zum Euro aussprechen, schrieb Tham Ende Juni in der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“ von Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen, offenkundigen Risiken und neuen Einschränkungen des Volkswillens. „Das spricht stark gegen einen schwedischen Beitritt“, folgerte Tham.

Jetzt fällt der schwedische Karrierediplomat erneut auf. Das Bundespräsidialamt bestätigte dem Tagesspiegel, dass Tham das Bundesverdienstkreuz zurückgegeben habe. Es sei „kommentarlos ohne Angaben von Gründen über das schwedische Außenministerium nach Berlin zurückgekommen“, teilte das Bundespräsidialamt mit. Die höchste deutsche Auszeichnung sei dem Botschafter während des Staatsbesuchs von Bundespräsident Johannes Rau im Mai in Stockholm verliehen worden. Es sei traditionell üblich, dass anlässlich von Staatsbesuchen den höchsten Repräsentanten der Länder die jeweils höchsten Auszeichnungen verliehen würden. Im Bundespräsidialamt hieß es, Tham sei nicht der Erste, der die Auszeichnung ablehnte. Zu Einzelheiten wollte das Amt keinen Kommentar abgeben.

Sowohl das schwedische Außenministerium als auch die schwedische Botschaft wurden am Mittwoch von der Nachricht überrascht. Eine Sprecherin des schwedischen Außenministerium sagte, es sei ausgeschlossen, dass Thams „Nej“ etwas mit Deutschland zu tun habe. Sie könne sich nur vorstellen, dass Tham zu den Personen zähle, die Auszeichnungen generell ablehnten. Der Botschafter selbst befindet sich im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben