Bundeswehr-Einsätze : Joschka Fischer fordert Ausdehnung von Afghanistan-Engagement

Ex-Bundesaußenminister Fischer wünscht sich von Kanzlerin Merkel eine "couragiertere Herangehensweise" in der Afghanistan-Politik. Er fordert, mehr deutsche Soldaten an den Hindukusch zu schicken.

Frankfurt/Main"Ich bin nachdrücklich dafür, dass wir an unserem Engagement in Afghanistan festhalten", sagte der Grünen-Politiker Joschka Fischer im "Sonntagsgespräch" des hr-Fernsehens. "Ich unterstütze die Bundesregierung, es auszudehnen". Fischer bezeichnete es als Fehler, dass die Bundeswehr im vergangenen Jahr ihren Einsatz nicht auf den Süden Afghanistans ausgedehnt habe, als die kanadischen Streitkräfte dort mehr als 60 Soldaten im Kampf gegen die Taliban verloren hätten. Da habe sich Kanada, das in den Zeiten des Kalten Krieges eine Schutzmacht von Deutschland gewesen sei, sehr alleine gefühlt, sagte er.

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe er sich "eine etwas couragiertere Herangehensweise" gewünscht, "als es vor einem Jahr darum ging, Flagge zu zeigen", sagte Fischer weiter. Sowohl in den USA als auch in Kanada würde das Zaudern der Bundesregierung in dieser Frage zunehmend Befremden auslösen.

Stoiber: Bundeswehr leistet bei Isaf-Einsatz bereits genug

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach sich unterdessen gegen eine Ausweitung des deutschen Einsatzes in der Afghanistan-Schutztruppe Isaf aus. "Ich sage deutlich: Wenn es um eine Aufstockung der Nato-Truppen geht, sind dann erst mal andere Nationen gefordert", zitierte ihn die "Welt am Sonntag". Zugleich warnte Stoiber vor einem Scheitern der Mission: "Wenn Afghanistan wieder unter die Herrschaft der Taliban fiele, wäre das auch für uns ein Sicherheitsrisiko und ein schwerer Rückschlag für die Nato. Daher müssen wir der Verlängerung aller drei Afghanistan-Mandate zustimmen." Angesichts der großen Skepsis in Deutschland gegenüber dem Afghanistan-Einsatz gebe es "eine Bringschuld, ihn den Menschen zu erklären", sagte Stoiber der Zeitung weiter. (mit AFP)

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