Bundeswehr-Einsatz : Tornados unterwegs nach Afghanistan

Die Bundeswehr-Tornados sind in ihren umstrittenen Einsatz im umkämpften Süden Afghanistans gestartet. Auf dem Fliegerhorst in Jagel in Schleswig-Holstein hoben am Mittag sechs Maschinen ab.

Jagel - Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte bei einem Abschiedsappell vor dem Geschwader "Immelmann", mit den sechs Aufklärungsmaschinen werde die "Wirksamkeit der Stabilisierungs- und Sicherheitsoperationen der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan gesteigert". Damit werde der Schutz der Soldaten, der zivilen Helfer und der Bevölkerung verbessert.

Die sechs Flugzeuge sollen an diesem Donnerstag im nordafghanischen Masar-i-Scharif landen. Die Nato hatte die mit hochmodernen Kameras ausgerüsteten Maschinen zur Unterstützung der Isaf angefordert. Die Tornados sollen Taliban-Stellungen ausfindig machen, damit diese von Nato-Partnern gezielt angegriffen werden können. Jung sagte, so könne die im Süden kämpfende Isaf-Truppe "verhältnismäßiger und angemessener reagieren".

Bundesregierung gegen Bodentruppen-Einsatz

Dabei geht es um die gezielte Bekämpfung von Taliban-Rebellen, ohne bei Angriffen die Zivilbevölkerung zu treffen. Deutschland beteiligt sich derzeit mit 3000 Soldaten an der Isaf. Die Bundeswehr ist im ruhigeren Norden stationiert. Nato-Partner hatten Druck auf Deutschland ausgeübt, die Isaf im umkämpften Süden stärker zu unterstützen. Die Bundesregierung lehnt Bodentruppen dafür ab.

Der Einsatz gilt als eine der umstrittensten Missionen der Bundeswehr. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Freitag den Weg für den Einsatz vorerst freigemacht, in dem es einen Eilantrag der Linksfraktion gegen die Verlegung ablehnte. Am 18. April wird aber über eine Organklage der Fraktion verhandelt. Verteidigungsminister Jung sagte der "Welt am Sonntag": "Wir nehmen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts mit Respekt zur Kenntnis."

Jung: Mehr Flexibilität für die Truppe

Der Minister kündigte an, dass die Bundeswehr in Auslandseinsätzen weniger als bisher an bürokratische Normen aus dem Inlandsbetrieb gebunden sein soll. "In dem einen oder anderen Punkt - etwa bei der Nachlieferung von Material - sehe ich Ansatzpunkte für mehr Flexibilität", so der CDU-Politiker in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er habe "die Truppe gefragt, wo die eine oder andere Richtlinie entfallen soll". Unter den Aspekten der Sicherheit und der medizinischen Versorgung sei es aber richtig, die aus Deutschland gewohnten Standards "auch im Einsatz zu halten".

Im ZDF hatte Jung im Zusammenhang mit den laufenden Etatgesprächen für 2008 die Hoffnung geäußert, "dass wir etwas mehr im Rahmen dieser Haushaltsberatungen erhalten". Zur Begründung sagte er: "Wir brauchen gerade für die Bundeswehr im Rahmen der Auslandseinsätze zusätzliche finanzielle Mittel für den Schutz und die Ausrüstung unserer Soldaten." (tso/dpa)

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