Bundeswehr : Einsatz unter Vorbehalt

Israel will nach Angaben aus Militärkreisen keine deutschen Kampftruppen für den geplanten UN-Friedenseinsatz im Libanon. Unterstützende Verbände seien dagegen "herzlich willkommen".

Jerusalem/Berlin - "Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass ein deutscher Soldat in eine Situation kommt, in der er auf einen israelischen Soldaten schießen muss", erklärte ein israelischer General in Jerusalem. "Unser Volk könnte angesichts der Geschichte einen solchen Fall nicht verkraften." Unterstützende Verbände wie Pioniere, Fernmelder und Aufklärer seien hingegen "herzlich willkommen".

Aus Kreisen der Bundeswehr war zu erfahren, "dass entsprechende Signale aus Jerusalem in Berlin angekommen sind". Vertreter der Bundesregierung sagten: "Wir werden uns danach richten". Es werde einen "Einsatz unter bestimmten Bedingungen" geben, betonte ein Regierungsvertreter.

Die israelischen Generale erläuterten, dass sie "voll hinter der Einladung ihres Regierungschefs Ehud Olmert an die Bundeswehr stehen, an der UN-Mission zur Überwachung des Waffenstillstandes im Südlibanon teilzunehmen". Die Offiziere wiesen darauf hin, dass es schon seit Jahren eine gute Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und israelischen Heer gebe.

Nach ddp-Informationen haben sich bisher schon Frankreich, Italien, Indonesien, Malaysia, Marokko, Spanien und die Türkei bereit erklärt, Soldaten für ein "robustes Mandat" in die Pufferzone der streitenden Parteien im Südlibanon zu entsenden. In Deutschland wird trotz aller Auseinandersetzungen der Parteien im Bundestag fest damit gerechnet, dass die Bundesregierung in wenigen Tagen ihre Zustimmung zum Friedenseinsatz der Bundeswehr im Nahen Osten geben wird. Eine Zustimmung des Bundestages werde erwartet, hieß es.

Bundeswehr: "Historische Verantwortung"

Bundeswehr-Generäle vertreten die Auffassung, "dass wir gegenüber Israel dazu eine historische Verantwortung haben". Es müsse alles getan werden, um eine "Gefechtssituation" zwischen israelischen und deutschen Soldaten zu vermeiden. Es sei jedoch selbstverständlich, dass die Bundeswehrsoldaten zum Selbstschutz eine Pistole tragen würden, war aus hochrangigen Bundeswehrkreisen zu hören.

Bundeswehroffiziere sprechen angesichts des bevorstehenden Einsatzes im Nahen Osten von einer "historischen Entscheidung." Mit seiner ungewöhnlichen Einladung zur Teilnahme von deutschen Soldaten an der wohl wichtigsten Friedensmission der Vereinten Nationen habe der israelische Premier deutlich gemacht, dass mehr als 60 Jahre nach dem Holocaust offenbar alle Bedenken überwunden seien, dass Enkel und Urenkel von Nationalsozialisten in Bundeswehruniform an der Landesgrenze Israels stationiert seien.

Neben den verschiedenen Überwachungsmaßnahmen richtet sich die Bundeswehr hauptsächlich darauf ein, ähnlich wie in Afghanistan und auf dem Balkan mit Wiederaufbauteams der Bevölkerung zu helfen. "Wenn wir bei unseren Einsätzen am Hindukusch, auf dem Balkan und jetzt im Kongo ungefähre Vorstellungen von unserer Einsatzdauer haben, müssen wir im Nahen Osten von ganz anderen Zeitvorstellungen ausgehen", heißt es bei der Bundeswehr. Im Nahen Osten könne es sich um eine "Einsatzdauer von Jahrzehnten" handeln, mutmaßt ein deutscher General.

(Von Friedrich Kuhn, ddp)

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