Bundeswehr : KSK-Chef attackiert Afghanistan-Politik

Der Chef der Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK), Hans-Christoph Ammon, hat in ungewöhnlicher Deutlichkeit die deutsche Afghanistan-Politik kritisiert. Vor allem das finanzielle Engagement der Bundesrepublik sei im Vergleich zu den Investitionen der USA viel zu gering.

Hans-Christoph Ammon
KSK-Chef Hans-Christoph Ammon kritisiert die Afghanistan-Politik. -dpa

Stuttgart/Ellwangen/BerlinBeim Aufbau der afghanischen Polizei sei Deutschland gescheitert, sagte der Kommandeur.

Öffentliche Äußerungen geschweige denn offene Kritik an der Politik durch den Kommandeur des geheim operierenden KSK sind selten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte, es handele sich um die persönliche Meinung des Generals. Sie spiegele nicht die Ansicht des Ministeriums wieder.

Ammon bemängelt Informationspolitik

Ammon listete auf, die Amerikaner investierten eine Milliarde Dollar in den Aufbau von Armee und Polizei. Deutschland stelle nur zwölf Millionen Euro für die Polizei bereit. "Wir hätten noch 82 Jahre gebraucht, um eine vernünftige afghanische Polizei zu bekommen", sagte Ammon. Er hielt der Politik vor, sie informiere die Bürger zu wenig über den Sinn des Einsatz. "Hier müssen wir mehr tun, sonst besteht die Gefahr, dass der Rückhalt in der Bevölkerung für unsere Soldaten verloren geht", mahnte er.

Der Brigadegeneral sagte, er habe bei seinem Vortrag am Mittwoch im württembergischen Ellwangen den Bundestagsabgeordneten aber nicht vorgeworfen, ahnungslos zu sein. "Ich habe mich pointiert geäußert, aber in dieser Schärfe habe ich das nicht formuliert."

In seiner Rede, die er bei einer Veranstaltung des Reservistenverbands hielt, hatte Ammon laut Zeitung gesagt, Deutschland sei beim Aufbau der afghanischen Polizei "kläglich gescheitert." Nun hätten EU und die USA diese Aufgabe anstelle der Deutschen übernommen: "Das ist ein Desaster", zitiert ihn das Blatt.

"Schnelle und sichtbare Maßnahmen sind nötig"

Ammon monierte, internationale Organisationen schafften es nicht, die Hilfe für Afghanistan zu koordinieren. Es stünden etwa 800 Millionen US-Dollar zur Verfügung und würden nicht abgerufen. "Durch unkoordiniertes Vorgehen verpulvern wir Milliardenbeträge", sagte der General laut Zeitung. Die so verursachten Verzögerungen beim Wiederaufbau Afghanistans beschädigten die Glaubwürdigkeit deutscher Soldaten. "Schnelle und sichtbare Maßnahmen sind nötig, um Verlässlichkeit zu zeigen." Ansonsten laufe die Bundeswehr Gefahr, bei den Afghanen als Besatzer wahrgenommen zu werden.

Als Beispiel für konsequentes Engagement habe Ammon die USA genannt. Amerika leiste weit mehr und zahle einen höheren Blutzoll für Afghanistan als Deutschland. "Daher sollten wir mit unserem oberflächlichen Antiamerikanismus vorsichtig sein", mahnte der General. Deutschland ist im Rahmen der Internationalen Schutztruppe Isaf für den ruhigeren Norden Afghanistans zuständig. Auch das KSK mit Sitz im baden-württembergischen Calw ist am Hindukusch im Einsatz.

Ammon sprach sich für Gespräche mit den Taliban aus. Jedoch wolle er nicht die "Steinzeit-Islamisten", sondern moderate Mitläufer an den Verhandlungstisch holen. Im Kampf gegen Drogen plädierte der KSK-Chef dafür, über die Legalisierung des Opiumanbaus für eine Übergangszeit nachzudenken. "Das muss geprüft werden", sagte er. Einseitige Vernichtung des Opiums schade den Bauern und treibe sie in die Hände der Drogenbarone. (mbo/dpa)

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