Bundeswehr : Letzte Wehrpflichtige rücken ein

Das war es. Das Wort "Einberufung" kann aus dem aktiven Wortschatz der Deutschen gestrichen werden. Am Montag mussten zum letzten Mal junge Männer, 12.150 an der Zahl, gegebenenfalls auch gegen ihren Willen den Grundwehrdienst antreten.

Eine mehr als 50-jährige Tradition geht zu Ende.
Eine mehr als 50-jährige Tradition geht zu Ende.Foto: dpa

Berlin - Zum 1. Juli wird die Wehrpflicht ausgesetzt. Bereits zum 1. März werden nur noch Freiwillige eingezogen.

Mehr als acht Millionen junge Männer haben in den vergangenen sechs Jahrzehnten ihren Wehrdienst bei der Bundeswehr absolviert. Anfangs zwölf Monate, nach dem Mauerbau sogar 18, zuletzt nur noch sechs. Am Beginn stand der Kalte Krieg. Es galt das Prinzip vom „Staatsbürger in Uniform“, der der „Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ schwor. Mit der Wahlfreiheit zum Zivildienst sank die Zahl derer, die bei der Bundeswehr Uniform anzogen. Zuletzt waren es zwölf Prozent eines Jahrgangs. Die Wehrgerechtigkeit stand nur noch auf dem Papier. Das Spardiktat des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) und der Wille des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Bundeswehr moderner, flexibler und für mehr Auslandseinsätze tauglicher zu machen, gaben nun den Ausschlag für eine Reform, die die Truppe von 250 000 auf 185 000 Männer und Frauen reduzieren wird: 170 000 Zeitsoldaten plus Freiwillige.

Das Ende der Wehrpflicht
Nach mehr als 50 Jahren geht in Deutschland die Ära der Wehrpflicht zu Ende. Am 3. Januar 2011 treten die vorerst letzten Rekruten ihren Pflicht-Wehrdienst an.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: dapd
03.01.2011 11:37Nach mehr als 50 Jahren geht in Deutschland die Ära der Wehrpflicht zu Ende. Am 3. Januar 2011 treten die vorerst letzten Rekruten...

Wer einberufen wird, muss mit disziplinar- und strafrechtlichen Folgen rechnen, wenn er den Dienst „schuldhaft“ nicht antritt. Im Wehrstrafgesetz Paragraf 16, „Fahnenflucht“, heißt es dazu: „Wer eigenmächtig seine Truppe oder Dienststelle verlässt oder ihr fernbleibt, um sich der Verpflichtung zum Wehrdienst dauernd oder für die Zeit eines bewaffneten Einsatzes zu entziehen oder die Beendigung des Wehrdienstverhältnisses zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft.“ Nach allgemeiner Erwartung wird nicht mit einem harten Durchgreifen gegen Wehrpflichtige gerechnet, die gestern nicht zum Dienst erschienen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums machte aber deutlich, dass die Bundeswehr jedwede Sonderbehandlung für „Drückeberger“ ablehne. Es werde nichts strenger ausgelegt als bisher, aber auch nicht laxer, hieß es.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), forderte die Bundeswehr auf, sich „wie bisher“ bei besonderen, „in der Person begründeten Härtefällen großzügig zu zeigen“. Wenn zum Beispiel jemand im April sein Studium aufnehmen wolle und wegen der Einberufung ein ganzes Jahr warten müsste, solle damit flexibel umgegangen werden. Zudem appellierte Königshaus im Gespräch mit dem Tagesspiegel: „Die Bundeswehr insgesamt und jeder einzelne verantwortliche Ausbilder muss dafür sorgen, dass auch die jetzt als Letzte Eingezogenen ihre Dienstzeit als sinnvoll und nutzbringend erleben und nicht als vertane Zeit.“

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben