Politik : Bundeswehr liefert Hilfsgüter an die Kosovo-Flüchtlinge

THOMAS KRÖTER

BONN .Die Bundeswehr hat mit Hilfsflügen zur Unterstützung der Kosovo-Flüchtlinge in Mazedonien und Albanien begonnen.Die ersten zwei Maschinen vom Typ Transall sind am Dienstagnachmittag gestartet.Nach Angaben von Verteidigungsminister Rudolf Scharping sollen sie unter anderem 20 000 Tonnen Lebensmittel sowie medizinische Hilfsgüter in die Krisenregion bringen.Auch das Bundeswehrkrankenhaus in Skopje muß auf diese Weise versorgt werden, da Serbien die Verbindungen auf dem Landweg abgeschnitten hat.Die Hilfe wird auch deswegen möglichst schnell auf den Weg gebracht, weil die Bundesregierung verhindern will, daß die erwartete Flüchtlingswelle wegen der serbischen Greueltaten im Kosovo bis nach Deutschland gelangt.

Eine erste Gruppe von 26 Kosovo-Flüchtlingen ist am Dienstag in Nordhessen aufgegriffen worden.Wie die Polizei in Eschwege mitteilte, sind sie gegen hohe Geldbeträge von Schleppern ins Land gebracht worden.Nach Meinung des bayerischen Innenministers Günther Beckstein (CSU) ist es nur noch eine Frage von ein, zwei Wochen, daß eine große Flüchtlingsbewegung nach Deutschland komme.Allein in Bayern seien in den letzten Monaten schon 45 000 Kosovo-Albaner eingetroffen.

Beckstein berichtete, daß sich die Innenministerien von Bund und Ländern geeinigt hätten, alles zu tun, um die Flüchtlinge in der Region angemessen unterzubringen.Die Minister forderten einen Deutschland- und Europaweit ausgewogenen Verteilungsschlüssel.Nach Angaben des Bonner Innenministeriums soll bei Beratungen in Brüssel eine "gerechte Lastenverteilung" erreicht werden.Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) räumte ein, daß die Hilfe noch "besser organisiert werden" müsse.Man müsse sich erst auf die neue Situation einstellen.Am Donnerstag wollen die Außenminister der EU-Troika aus Österreich, Deutschland und Finnland in Bonn über die Lage der Flüchtlinge beraten.

Scharfe Kritik äußerte die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl.Sie nannte die Haltung der Innenminister "beschämend" und warf ihnen "unterlassene Hilfeleistung" vor.Es sei eine perfide Logik, zu behaupten, eine Konzept zur Aufnahme sei nicht nötig, solange die Abwehrmechanismen griffen.Die Berliner Ausländerbeauftragte, Barbara John, rechnet nicht mit einem Zustrom wie während des Krieges in Bosnien.Bei den jetzigen Flüchtlingen, handelt es sich vorwiegend um alte Menschen, Frauen und Kinder, sagte sie dem Inforadio.Diese hätten weder die Mittel, noch die Kraft, 3000 Kilometer zu überbrücken.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Rudolf Scharping stellt die Bundesregierung aus den Etats von Außen- und Entwicklungshilfeministerium rund 25 Millionen Mark für Soforthilfe zur Verfügung.Das Auswärtige Amt hat seit dem vergangenen März rund 56 Millionen für Kosovo-Hilfe ausgegeben, die Europäische Union insgesamt rund 120 Millionen Mark.

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