Bundeswehr : Sieben Milliarden Euro für IT-Projekt "Herkules"

Die Bundeswehr bringt ihre Info-Netze aus der "Steinzeit" ins 21. Jahrhundert: Mit dem IT-Projekt "Herkules" soll in zehn Jahren das Telefon- und Computersystem der gesamten Bundeswehr vereinheitlicht werden.

Berlin - Die Militärs freuen sich über "Herkules". Mit dem Namen des antiken Sagenhelden ist eines der teuersten Reformprogramme der Streitkräfte verbunden: Die Runderneuerung der Kommunikationsstränge bei der Bundeswehr für rund sieben Milliarden Euro. "Wir kommen mit der Reform unserer Informationstechnik aus der Steinzeit ins 21. Jahrhundert", heißt es in der Bundeswehr.

Nach den Planungen des Parlaments soll das "Riesenvorhaben" vom Verteidigungsausschuss am Mittwoch und vom Haushaltsausschuss am Donnerstag gebilligt werden. Seit 1999 wurde über das IT-Projekt diskutiert und verhandelt. Sogar die Opposition will zustimmen: Wegen der hohen Kosten jedoch "nur unter Bauchschmerzen, weil es an Alternativen zu Herkules mangelt", wie es die FDP-Wehrexpertin Elke Hoff ausdrückte.

Einheitliches Netz in 10 Jahren

In zehn Jahren soll mit "Herkules" die gesamte Bundeswehr über ein einheitliches Telefon- und Computersystem verfügen. Jeder soll mit jedem "ohne Umstände" kommunizieren können. Es geht um die Modernisierung von 140.000 Computerarbeitsplätzen und von etwa 300.000 Telefonanschlüssen in der Armee. Sie werden unter privatwirtschaftlicher Führung auf Vordermann gebracht. An der neuen IT-Firma "BWI Informationstechnik" sind die Siemens-Tochter SBS mit 50,05 Prozent, der Computerriese IBM mit 0,05 und der Bund mit 49,9 Prozent beteiligt.

Der Bundesrechnungshof hat dem Verteidigungsministerium allerdings vorgerechnet, wenn es das Großprojekt in eigener Regie verwirklicht hätte, wäre es um eine Milliarde Euro billiger geworden. Das Ministerium ist nicht dieser Meinung. In internen Papieren heißt es: "Die Bewertung des wirtschaftlichen Nutzens lässt einen klaren Vorteil der Kooperationslösung gegenüber dem Behördenmodell erkennen".

Seit spätestens Ende der 90er Jahre befand sich die Bundeswehr nach Darstellung der Offiziere "informationstechnisch konzeptionell in der Steinzeit". Ihre IT-Technologie basiert gegenwärtig auf zahlreichen "Insellösungen" - 360 IT-Inseln. Für die Modernisierung der Rechenzentren gilt die Devise: Weg von den überholten Telefonen mit der oft noch alten Wählscheibe hin zur Videokonferenz und entsprechenden anderen modernen Einrichtungen.

"Integriertes Infonetz"

Die Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine werden keine eigenen umständlichen Verbindungen mehr haben, sondern einheitlich vernetzt. Das Zauberwort lautet "Integriertes Infonetz". Mit den neuen Systemen, die auch für die Auslandseinsätze von großer Bedeutung sind, soll die Bundeswehr auf ihren Netzen zwischen den militärischen Stellen "effiziente Abläufe" bewerkstelligen können.

Dabei geht es auch um eine Kommunikation innerhalb der Kasernen bis hin zu Satellitenübertragungen. Sie sind in einer Stunde X, in einem extrem schwierigen Fall, die einzige Verbindung der Generäle zu ihren Truppenteilen im Ausland. Besonderer Wert wird nach Aussage der Offiziere auf ein im Ernstfall abkoppelbares "Kernnetz" gelegt, das die Bundeswehrführung mit dem Potsdamer Einsatzführungskommando und auch die einzelnen Führungskommandos der Teilstreitkräfte verbindet. (Von Friedrich Kuhn, ddp)

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