Bundeswehr-Skandal : Rekrut bestätigt Misshandlungs-Vorwürfe

Im Prozess um Misshandlungen bei der Bundeswehr hat ein ehemaliger Rekrut im Detail beschrieben, welche Demütigungen er während einer simulierten Geiselnahme über sich ergehen lassen musste.

Münster - Einer der beiden angeklagten Zugführer soll während einer simulierten Geiselnahme einen Stiefel unter die Hoden des Rekruten geschoben und die Stiefelspitze angehoben haben. "Das tat weh", sagte der 22-Jährige vor dem Landgericht Münster. Von anderen Ausbildern sei er mit einer Kübelspritze nass gespritzt worden und ihm sei Sand in die Feldbluse gekippt worden. Als er Liegestützen gemacht habe, sei ihm der Kopf zu Boden geschlagen worden. Dafür habe sich der Ausbilder entschuldigt.

In dem Prozess wird 14 ehemaligen Ausbildern der Coesfelder Freiherr-vom-Stein Kaserne in Westfalen sowie dem ehemaligen Kompaniechef vorgeworfen, mehr als 160 Rekruten bei vier Übungen unter anderem gefesselt, geschlagen und in einige Fällen auch mit schwachen Stromschlägen gequält zu haben. Es ist der größte Strafprozess in der Geschichte der Bundeswehr.

Stock in die Hose gesteckt

Der ehemalige Rekrut sagte zudem aus, die Truppe sei über die simulierte Geiselnahme nicht zuvor informiert worden. Ein Zugführer habe nur angekündigt, dass etwas passieren werde, bei dem er schon erwachsene Menschen habe weinen sehen. Ein zweiter Zeuge sagte, ihm sei bei einer Befragung Wasser mit einem Schlauch in Mund und Hose gespritzt worden. "Ich habe es aber nicht als so schlimm empfunden", sagte der 23-Jährige. Ein weiterer ehemaliger Rekrut beschrieb, wie ihm bei einer Befragung ein Stock in die Hose gesteckt wurde. Für ihn sei das aber nicht schlimm gewesen. Der Prozess wird am nächsten Montag mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt. (tso/dpa)

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