Bundeswehr : Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Würgegriffs

Die Demonstration eines Würgegriffs an einem Soldaten hat für einen 44-jährigen Bundeswehroffizier weitreichende Folgen. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen den Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung.

ErfurtDer Oberstleutnant habe bei einem Manöver im April mit einer Nahkampftechnik einen 24-jährigen Leutnant gewürgt, so dass dieser für einige Sekunden bewusstlos geworden sei, sagte der Leiter des Presse- und Informationszentrums der Streitkräftebasis, Hermann-Josef Dresbach, am Montag in Erfurt. Nur wenige Tage nach Bekanntwerden des Vorfalls sei der damalige Kommandeur des Erfurter Führungsunterstützungsbataillons 383 von seiner Stelle abgezogen worden.

Würgegriff ist "keine offizielle Ausbildungsmethode"

Der angewandte Griff, den der Ausbilder im Kreis von Führungsoffizieren an einem Soldaten gezeigt habe, sei "keine offizielle Ausbildungsmethode" der Bundeswehr. Das Erfurter Bataillon habe unter anderem die Aufgabe, die Satellitenkommunikation der Truppen in den Einsatzländern zu gewährleisten. Nahkampftraining stehe für die Erfurter Soldaten nicht auf dem Ausbildungsprogramm, betonte Dresbach. Wie es trotzdem zu dem Übergriff kam, sei Gegenstand der internen Ermittlungen.

Ob es sich um einen strafrechtlich relevanten Vorfall handele, prüft derzeit auch die Staatsanwaltschaft Erfurt. Unabhängig davon erwarte den beschuldigten Oberstleutnant ein Disziplinarverfahren. Bevor dort eine Entscheidung falle, werde die Bundeswehr das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlung abwarten, erklärte Dresbach. Im Zuge eines Disziplinarverfahrens könne dem 44-Jährigen beispielsweise ein mündlicher Verweis, Degradierung und sogar die Entlassung drohen.

Eine anonyme Anzeige brachte die Tat ans Licht

Gegen den Offizier werde wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt, sagte der Leiter der Erfurter Staatsanwaltschaft, Franz Trost. Der Ausbilder habe dem Leutnant beim Training eines Abwehrgriffes wohl versehentlich die Halsschlagader abgedrückt, woraufhin dieser ohnmächtig geworden sei. Der Geschädigte selbst habe keine Anzeige erstattet und den Vorfall auch nicht als meldenswert empfunden. Er sei publik geworden, weil ein Soldat eine anonyme Anzeige beim Wehrbeauftragten des Bundestages erstattet habe.

Bei den Ermittlungen wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein weiterer Vorfall bekannt, bei dem Soldaten eine sogenannte menschliche Brücke bildeten und der Ausbilder mit Stiefeln über die Bäuche der Männer lief. Dabei erlitt ein Soldat eine Rippenprellung, erstattete aber keine Anzeige. Auch in diesem Fall wird nun gegen den Oberstleutnant ermittelt. (sba/ddp)

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