Bundeswehr : Steinmeier: Mehr Soldaten nach Afghanistan

Angesicht der anhaltenden Gewalt am Hindukusch befürwortet Außenminister Steinmeier eine verstärkte Militärausbildung der afghanischen Armee. Die Entsendung weiterer Bundeswehr-Soldaten zu diesem Zweck sei nicht auszuschließen.

Angesicht der anhaltenden Gewalt in Afghanistan befürwortet Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) eine verstärkte Militärausbildung der afghanischen Armee. Die Entsendung weiterer Soldaten der Bundeswehr zu diesem Zweck sei nicht auszuschließen, sagte er dem "Spiegel". Auswärtiges Amt und Bundesverteidigungsministerium bewerten die Sicherheitslage in Afghanistan als äußerst kritisch, wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf interne Dokumente der Bundesregierung berichtet. In Afghanistan starben am Wochenende bei heftigen Kämpfen mehr als 40 Taliban-Kämpfer. Zudem wurden mehrere Unterstützer der Regierung in Kabul getötet.

Für die verstärkte Militärausbildung in Afghanistan sind laut Steinmeier "möglicherweise für eine Übergangszeit" mehr Bundeswehrsoldaten erforderlich. Die Entsendung deutscher Ausbilder in den Süden schloss er nicht aus. Wie und unter welcher Voraussetzung die Ausbildung stattzufinden habe, werde allerdings "nicht gegen die Expertise der Bundeswehr entschieden", sagte er im "Spiegel"-Interview. Das Vorgehen müsse im Verlauf des Sommers mit dem Verteidigungsministerium erörtert werden. Vom Erfolg beim Aufbau von Polizei und Armee hänge auch die Dauer des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan ab, erklärte Steinmeier.

"Ein fast unlösbares Problem"

In Afghanistan sei "nicht nur eine quantitative Zunahme der Anschläge" festzustellen, zitierte die "WamS" aus einem internen "Bericht zur sicherheitspolitischen Lage in Afghanistan" des Auswärtigen Amts vom Juli. "Auch qualitativ ist gegenüber dem Vorjahr eine verfeinerte, subtilere Vorgehensweise der militanten Opposition zu beobachten", hieß es in dem Papier. "Die zivilen Opfer im Zusammenhang mit militärischen Operationen führen zu einem Vertrauensverlust bei der afghanischen wie der internationalen Öffentlichkeit." Die Taktik von Aufständischen, nach Angriffen auf Isaf-Kräfte die Zivilbevölkerung zum eigenen Schutz zu nutzen, "stellt die internationalen Truppen vor ein fast unlösbares Problem", warnten die Autoren.

Pakistan und Afghanistan einigten sich auf eine Reihe vertrauensbildender Maßnahmen, um im Kampf gegen den Terrorismus in Zukunft enger zusammenzuarbeiten. Bei den Gesprächen in der Türkei sei ein Informationsaustausch sowie der Austausch von Politikern, Wissenschaftlern und Abgeordneten vereinbart worden, erklärte das türkische Außenministerium. Die Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan sind gespannt: Kabul wirft Islamabad vor, gegen den Grenzübertritt von Taliban aus Pakistan nach Afghanistan nicht genug zu unternehmen.

Zahlreiche Tote bei Kämpfen

Bei Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen sowie internationalen Sicherheitskräften wurden am Wochenende mindestens 42 Aufständische getötet. Wie die Koalitionstruppen mitteilten, kamen bei einem Angriff auf afghanische Polizisten und Soldaten am Freitag in der Provinz Farah an der Grenze zum Iran elf Menschen ums Leben. Bei anschließenden Kämpfen starben nach Angaben der Koalitionstruppen mehr als 30 Rebellen. Der Polizeichef der Provinz sprach von 60 getöteten Taliban. Bei weiteren Kämpfen in Helmand starben nach Behördenangaben zwölf Taliban-Kämpfer.

In den Provinzen Urusgan, Ghasni und Helmand kamen nach Behördenangaben vier der Regierung nahestehende Menschen ums Leben. Die Taliban bekannten sich zu drei Anschlägen. Bei einem weiteren Anschlag kamen Berichten zufolge zudem zwei Kinder und drei Polizisten ums Leben. (mit AFP)

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