Bundeswehreinsatz am Hindukusch : Afghanen trauen dem Westen nicht mehr

Die ausländischen Soldaten in Afghanistan sind nach einer Umfrage so unbeliebt wie nie zuvor. Ein Drittel der Befragten befürwortet sogar Anschläge auf internationale Truppen.

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Das Ansehen der Bundeswehr in Afghanistan hat gelitten.
Das Ansehen der Bundeswehr in Afghanistan hat gelitten.Foto: dapd

Berlin - Immer mehr Afghanen verlieren offenbar das Vertrauen in den Westen. Zwei Drittel von ihnen stehen dem Einsatz der westlichen Staatengemeinschaft in Afghanistan inzwischen kritisch gegenüber, ein Drittel befürwortet sogar Anschläge gegen Soldaten der Schutztruppe Isaf. Auch das Ansehen der Bundeswehr, die derzeit rund 4800 Soldaten in Afghanistan einsetzt, hat sich deutlich verschlechtert, wie eine Umfrage der ARD und anderer internationaler Medienhäuser ergab. Der deutsche Sender und seine Partner, darunter die BBC und die „Washington Post“, haben die afghanische Bevölkerung bereits mehrmals befragt und festgestellt, dass die Hilfe für den Wiederaufbau immer schlechter bewertet wird. Hauptgründe dafür sind die wachsende Bedrohung durch Anschläge und der ausbleibende Aufschwung im Land. Zudem haben die Menschen das Gefühl, dass Hilfsgelder in dunklen Kanälen versickern. Rund 54 Prozent der Afghanen befürworten einen raschen Abzug der internationalen Gemeinschaft aus ihrem Land.

Vor knapp einem Jahr habe erstmals seit langem eine vorsichtige Aufbruchstimmung unter Afghanen festgestellt werden können. „Doch die Hoffnungen auf eine Wende zum Besseren wurden in weiten Teilen des Lands drastisch enttäuscht“, fasste der stellvertretende WDR-Auslandschef, Arnd Henze, zusammen. Der Sympathieverlust für die Bundeswehr sei besonders dramatisch im deutschen Einsatzgebiet im Norden des Landes. Nur noch 46 Prozent haben dort demnach ein positives Bild von Deutschland, im Sommer 2007 waren es noch 75 Prozent.

Außenminister Guido Westerwelle wertete die Umfrage als Bestätigung für die Abzugspläne der Bundeswehr: „Wir werden mit aller Konsequenz darauf hinarbeiten, dass 2011 regional mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung begonnen werden kann.“ Die sicherheitspolitische Sprecherin seiner Partei Elke Hoff sagte dem Tagesspiegel außerdem, es sei zu erwarten gewesen, „dass sich das Stimmungsbild mit der Verstärkung der Truppen im Zuge der neuen Aufstandsbekämpfungsstrategie zunächst verschlechtern würde“. Auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan hätten die Kämpfe zugenommen. Da in der Region allerdings eine Reihe internationaler Streitkräfte vertreten seien, könne man die Ergebnisse nicht direkt auf die Bundeswehr beziehen. „Die Afghanen können da nicht zwangsläufig trennscharf unterscheiden“, sagte Hoff. Die FDP-Politikerin, deren Partei auch das Entwicklungsministerium verantwortet, verteidigte die zivile deutsche Hilfe für Afghanistan. Im Gegensatz zu den USA, die trotz der weitverbreiteten Korruption in Afghanistan „sehr viel Geld in das Land pumpen“, setze Deutschland auf nachhaltige Projekte.

Die Opposition bringt den deutschen Ansehensverlust jedoch auch mit den Folgen des Bombardements zweier von den Taliban gekaperter Tankwagen im September 2009 in Verbindung. „Es macht sicher keinen guten Eindruck, wenn es Monate dauert, bis Entschädigungen ausgezahlt werden“, sagte der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour dem Tagesspiegel. Er warf der Regierung ferner vor, die Abzugsperspektive der Bundeswehr nicht deutlich genug zu vermitteln. „Wir müssen den Afghanen klarer sagen, dass wir hier sind, um ihnen dabei zu helfen, so schnell wie möglich selbst die Verantwortung für ihr Land zu übernehmen.“

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