Politik : Bundeswehrverband warnt Struck vor Sudan-Einsatz

Stephan Haselberger

Berlin - Die öffentlichen Überlegungen von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) zu einem möglichen Einsatz deutscher Soldaten in Sudan beunruhigen den Bundeswehrverband. „Bei der Häufigkeit der Äußerungen des Ministers zu dem Thema wird mir unwohl“, sagte der Verbandsvorsitzende Bernhard Gertz dem Tagesspiegel am Sonntag. Die Bundeswehr dürfe sich neben ihrem Engagement im Kosovo und in Afghanistan keine weitere Aufgabe aufladen, warnte er: „Wir stehen schon jetzt in der Gefahr akuter Überforderung.“

Gertz kündigte massiven Widerstand seines Verbandes für den Fall an, dass Struck die Entsendung von Bundeswehrkontingenten ernsthaft in Erwägung ziehen sollte. „Ein Kontingent-Einsatz kommt mit Sicherheit nicht in Frage, das würden wir zu verhindern versuchen.“ Denkbar seien allenfalls Hilfsleistungen für eine UN-Operation. „Aber solche logistischen Hilfen müssten zeitlich und zahlenmäßig eng begrenzt sein.“ Auch die militärische Führung der Bundeswehr stehe einem Afrika-Einsatz ablehnend gegenüber, erklärte Gertz. „Ich bin mir sicher: Die Spitze will das nicht.“

Struck hatte wiederholt erklärt, ein Einsatz der Bundeswehr in dem Krisengebiet sei nicht generell ausgeschlossen. Anfragen der Vereinten Nationen oder der Nato lägen aber nicht vor. Zugleich äußerte Struck Zweifel, ob die Afrikanische Union mit eigenen Truppen die Lage in dem Krisengebiet in den Griff bekommen könne. In Koalitionskreisen hatte Struck damit Spekulationen ausgelöst, er wolle die Öffentlichkeit auf einen Sudan-Einsatz vorbereiten: „Man könnte den Eindruck gewinnen, er will da rein“, hieß es.

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