Politik : Bush appelliert an Muslime in aller Welt

Islamische Führer sollen sich gegen Terror stellen / Mehrere Institutionen haben sich bereits positioniert

B. Junge[Berlin],C. von Marschall[Washingto]

Präsident George W. Bush hat islamische Führer in aller Welt aufgefordert, sich öffentlich gegen terroristische Anschläge zu stellen. Bei einem Abendessen für Vertreter muslimischer Gruppen in den USA und islamischer Botschafter, das Bush jedes Jahr während des Fastenmonats Ramadan gibt, dankte er am Montag all den Geistlichen, die schon jetzt „Terror unter Verweis auf Kapitel 5, Vers 32 des Korans verurteilen“; dort werde die Tötung eines Unschuldigen als „Mord an der Menschlichkeit“ bezeichnet.

Die Gäste unterbrachen Bushs kurze Ansprache mit Beifall, als der Präsident sagte, dass er einen Koran für die Bibliothek des Weißen Hauses erworben habe. Im Fastenmonat Ramadan, der in diesem Jahr vom 4. Oktober bis 3. November dauert, gilt für Muslime ein besonderes Friedensgebot. Essen dürfen Gläubige erst nach Einbruch der Dämmerung. 4,6 Millionen US-Bürger sind Muslime.

Es sei „höchste Zeit für alle verantwortungsbewussten islamischen Führer“, appellierte der US-Präsident in seiner Ansprache an die versammelten Muslime weiter, „eine Ideologie zu verdammen, die den Islam für politische Ziele missbraucht und euren edlen Glauben entweiht“. Die Überzeugungen der „Killer unschuldiger Männer, Frauen und Kinder“ hätten mit der wahren Religion des Islam nichts zu tun.

An Distanzierungen und Verurteilungen des Terrors durch muslimische Organisationen und Vertreter islamischer Staaten hat es in den vergangenen Jahren nicht generell gefehlt. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatten viele von ihnen die Angriffe verurteilt und Unterstützung im Kampf gegen den Terror zugesagt. Andererseits rechtfertigen lokale Geistliche vor allem im Nahen und Mittleren Osten bis heute Anschläge als legitimen Teil des „Heiligen Krieges“ und geben Attentätern ihren Segen.

Am 17. September 2001 erklärte die Liga der Arabischen Staaten, sie teile „die Gefühle von Ekel, Horror und Schock“. Diese „terroristischen Verbrechen“ müssten verurteilt werden, ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten über die Lage in Nahost. Am 10. Oktober 2001 verurteilte die Organisation der Außenminister der Islamischen Konferenz „den brutalen Akt“. Er widerspreche der Religion, den ethischen und menschlichen Werten, müsse streng verfolgt werden, dafür biete man Unterstützung an. Weitere Erklärungen gaben der iranische Präsident ab, der pakistanische Rat der Koranschulen, die Islamgelehrten in Saudi-Arabien und viele islamische Organisationen in Europa und den USA. Nach jedem weiteren großen Anschlag, wie Bali 2002, Madrid 2004 und London in diesem Sommer, kamen neue oder erneuerte Verurteilungen hinzu.

CAIR, der Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen in den USA, verurteilt Terror auf seiner Internetseite in der Petition „Not in the name of Islam“. CAIR hat zudem einen Anti-Terror-Fernsehspot produziert. In Deutschland hat ein Verein die Netzseite „Muslime gegen Terror“ aufgebaut. Dort wie im Archiv der „Muslime gegen Terror“ finden sich rund 100 Appelle aus aller Welt.

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