Politik : Bush-Berater Karl Rove schweigt

Matthias B. Krause[New York]

Wann immer US-Präsident George W. Bush dieser Tage in die Nähe von Reportern kommt, schaltet er auf partiellen Durchzug. Ob er nun seinen engsten politischen Berater Karl Rove feuern werde, fragten sie ihn wieder und wieder, doch Bush tut dann so, als sei er taub. Sein Sprecher Scott McClellan hält es ähnlich. Kein Kommentar, sagt er lediglich und verweist auf die laufenden Ermittlungen.

Das war durchaus nicht immer so. Als vor knapp zwei Jahren das Weiße Haus einen Sonderermittler einsetzte, um die Quelle zu finden, die illegal die geheime Identität einer CIA-Agentin gelüftet hatte, wurde McClellan nicht müde, Roves Unschuld zu versichern. Und der Präsident versprach großmundig, den Schuldigen zu entlassen, sollte er denn gefunden werden.

Nun hat sich also herausgestellt, dass sich die undichte Stelle im Weißen Haus in nächster Nähe zum Präsident befindet. Rove selbst nimmt zu dem Fall bislang nur über seinen Anwalt Stellung. Derweil haben die Republikaner als Verteidigungsstrategie ausgegeben, die rechte Hand von Bush habe den Namen der Agentin in einem Gespräch mit einem Reporter des „Time Magazine“ schließlich gar nicht genannt. Haarspalterei, die die Demokraten nicht hinnehmen. „Es brauchte keinen Raketen-Wissenschaftler, um herauszufinden, dass es sich um die Frau des in Frage stehenden Botschafters handelte“, lästerte Senator Joseph Biden, „es war einfach eine furchtbar schlechte Entscheidung und er sollte gehen.“ Kollege John Kerry forderte schlicht: „Feuert Rove.“

Der demokratische Senator Charles Schumer wiederum beschwerte sich, dass der wichtigste Präsidentenberater nicht selbst spricht: „Er ist kein gewöhnlicher Bürger, er hat enorme Macht. Er sollte sich nicht hinter den genauestens ausgeklügelten Worten seines Anwalts verstecken.“ Dass Rove tatsächlich aus seiner Deckung hervorkommt, dafür gibt es bislang keine Anzeichen. Das hängt wahrscheinlich auch davon ab, ob der Sonderermittler sein Tun tatsächlich für strafwürdig hält. Oder ob es nur ein Trick war, um die Familie eines regierungskritischen Diplomaten abzustrafen – schmutzig, aber legal.

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