Bush-Besuch in Rom : "Totale Übereinstimmung" zwischen Italien und den USA

Anlässlich seines Rom-Besuchs appellierte US-Präsident George W. Bush an den Iran, die umstrittene Atomanreicherung auszusetzen. Das Angebot des Gastgebers, die Verhandlungsrunde zu verstärken, nahm er zunächst nicht an. Dennoch betonte er die "totale Übereinstimmung" der beiden Länder in der Außenpolitik.

US-Präsident George Bush und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi haben nach Gesprächen in Rom ihre "totale Übereinstimmung" in außenpolitischen Fragen betont. Gleichzeitig wollte sich Bush aber nicht konkret zu einer möglichen Beteiligung Italiens an den Atomverhandlungen mit dem Iran äußern. "Ich habe mit Silvio über das Thema gesprochen und ihm klar gesagt, dass wir alle gemeinsam die gleiche Botschaft an Teheran senden müssen: Die Iraner müssen ihr Projekt zur Urananreicherung abbrechen, sonst drohen Sanktionen", erklärte Bush. Zum Wohl des iranischen Volkes hoffe er, dass das Regime des Landes seine Strategie ändere.

Berlin lehnt eine Beteiligung Italiens an den Gesprächen ab. Washingtons stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin Judy Ansley hatte zuvor gesagt, sie wisse nicht, ob Italiens Wunsch "realistisch" sei. Berlusconi betonte erneut, Italien könne bei der Verhandlungsrunde, die bisher von den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates und Deutschland geführt wird, sehr nützlich sein. Italien sei mit zahlreichen Firmen im Iran vertreten und kenne die dortige Lage "von innen".

Im Rahmen seiner Abschiedsreise durch Europa war Bush am Mittag von Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano empfangen worden. Rund 10.000 Polizisten sorgten für die Sicherheit des US-Präsidenten.

Mehr Einsatz Italiens in Afghanistan gefordert

Im Gespräch mit Berlusconi plädierte Bush in Rom auch für ein stärkeres militärisches Engagement Italiens in Afghanistan. Die neue italienische Regierung unter dem konservativen Medienmilliardär Berlusconi hatte im Vorfeld "größere Flexibilität" beim Einsatz von Soldaten und schnellere politische Antworten signalisiert. "Italien hält seine internationalen Verpflichtungen ein", erklärte Bush und dankte Berlusconi für den Einsatz seines Landes auch in anderen Krisengebieten wie im Irak, im Libanon und im Kosovo.

Gleichzeitig kritisierte Bush in Rom das Urteil des Obersten Gerichtshofs seines Landes über künftige Rechte der Häftlinge im Lager Guantánamo Bay auf Kuba. "Ich bin mit dieser Entscheidung nicht einverstanden." Laut der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs dürfen in Guantánamo Bay einsitzende Häftlinge ihre Gefangenschaft vor US-Zivilgerichten anfechten, was ihnen bisher verweigert worden war. Bush betonte, zwar respektiere er die Entscheidung der Richter, jedoch werde seine Regierung bis zuletzt alles tun, um die Sicherheit des amerikanischen Volkes zu gewährleisten.

Vor seinem Weiterflug nach Paris wird Bush an diesem Freitag noch zu einer Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. im Vatikan erwartet. (nim/dpa/AFP)

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