Politik : Bush lehnt Teilrückzug aus Irak ab

Christoph von Marschall

Washington - US-Präsident George W. Bush gerät mit seiner Irakpolitik immer mehr in die Defensive. Nach zwei Wochen mit hohen US-Verlusten bei Anschlägen und einer wachsenden Protestbewegung vor seiner Ranch in Texas dementierte Bush am Donnerstagabend die Ankündigung des Pentagons, im nächsten Frühjahr 30000 der 138000 Soldaten abzuziehen, als „Spekulationen und Gerüchte“. Die USA könnten sich nur in dem Maß „zurückziehen“, in dem irakische Truppen „nach vorn treten“ und die Sicherheit aufrechterhalten, sagte Bush nach einer Beratung mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenministerin Condoleezza Rice in Texas. Einige US-Medien berichteten, die Truppen sollten noch aufgestockt werden, um die Wahlen am Jahresende zu sichern.

Ex-Außenminister Henry Kissinger wandte sich in der „Washington Post“ gegen eine Truppenreduzierung. Es gebe „nur eine Exit-Strategie: den Sieg über die Aufständischen“. Die Lehren aus Vietnam seien: „Die Guerilla hat gewonnen, wenn sie nicht verliert.“ Mit der Ankündigung des Abzugs beginne „eine Eigendynamik, die fast mehr von der Psychologie abhängt als von der militärischen Lageanalyse“. Auch in Vietnam habe es eine starke Reduzierung der US-Truppen und parallel eine erfolgreiche „Vietnamisierung der Sicherheit“ gegeben, doch erst nachdem „der nordvietnamesischen Tet-Offensive das Genick gebrochen“ worden war. Die letztendliche Niederlage 1975 habe andere Ursachen gehabt und wäre militärisch nicht zwingend gewesen. „Amerika hatte den Krieg satt, war mit Watergate beschäftigt und nicht mehr bereit, Vietnam zu helfen.“

Im Irak sei vieles anders, die Aufständischen hätten keine schweren Waffen, und ihre Anschläge auf zivile Opfer zeigten, dass sie zu schwach zum Angriff auf harte Ziele seien. Aber auch im Irak gehe es um den „Wettkampf, wer länger durchhält“. Es reiche deshalb nicht, das aktuelle Patt zu halten. Amerikas Erfolg „steht und fällt mit der Fähigkeit, die Sicherheit spürbar zu verbessern“, schreibt Kissinger.

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