Politik : Bush nennt Berlusconi einen starken Verbündeten

Regierungschef in Rom gegen raschen Abzug der 2900 italienischen Soldaten

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Rom/Paris Ungeachtet der Proteste im eigenen Land will Italien seine etwa 2900 Soldaten im Irak stationiert lassen, wenigstens bis dort nach den Wahlen im Januar nächsten Jahres „eine demokratische Regierung gebildet“ ist. Das erklärte Premierminister Silvio Berlusconi zum Abschluss des Besuchs von US-Präsident George W. Bush in Rom. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Samstagvormittag bekräftigte Bush, Berlusconi sei „ein starker Verbündeter“.

Auch Bush betonte, die Truppen würden vorerst im Land bleiben: „Der neue irakische Präsident und sein Außenminister haben uns um Hilfe gebeten, also helfen wir, das Land wieder aufzubauen.“ Bush sagte weiter, so wie man während des Kalten Kriegs vor dem Kommunismus nicht habe weichen dürfen, so dürfe man auch jetzt nicht vor dem Terrorismus kapitulieren: „Diese Leute, die unschuldige Menschen töten, wollen uns dazu bringen, dass wir unsere Werte aufgeben.“

Bush hatte seinen 36-stündigen Rom-Besuch in der Nacht zum Freitag begonnen. Während der amerikanische Präsident vom Papst für Krieg und Folter im Irak getadelt und für die Förderung moralischer Werte in den USA gelobt wurde, während er mit Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi zusammentraf und einen Lorbeerkranz am Mahnmal für 335 italienische Nazi-Opfer niederlegte, protestierten in der Stadt mehrere zehntausend Kriegsgegner gegen Bushs Besuch. Anders als erwartet verliefen die ganztägigen Demonstrationen jedoch weitgehend friedlich. Die Innenstadt war von zehntausend Polizisten weitgehend abgeriegelt worden; außer Touristen und Demonstranten war auf den Straßen so gut wie niemand zu sehen.

Sichtlich verärgert reagierte Berlusconi bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bush auf die Frage, warum er von Frankreichs Präsident Jacques Chirac nicht zum D-Day-Fest in die Normandie eingeladen worden sei. Berlusconi sagte, Chirac sei eben unsicher gewesen, was sich zum D-Day in Italien abgespielt habe. „Dann habe ich ihm aus der Verlegenheit geholfen und den amerikanischen Präsidenten auf einen Tag vor diesen Feierlichkeiten zu uns eingeladen, zu uns allein. Das war mir lieber, als bei den Zeremonien einer unter 17 Ministerpräsidenten zu sein.“

Am Samstag traf Bush anschließend zu einem zweitägigen Besuch zu den D-Day-Feiern in Frankreich ein. Am frühen Abend wollte er zunächst mit Chirac die neue UN-Resolution zur politischen Zukunft des Iraks und den Nahostkonflikt erörtern. Bush und Chirac wollten ihr Gespräch anschließend bei einem Arbeitsessen vertiefen. pak/dpa

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